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Zum Gedenken an

Lukas Kleitke

Lukas Kleitke

*25. 04. 1990

+ 24.01.2007

Ihr habt jetzt Trauer,
aber ich werde euch wieder sehen
und euer Herz wird sich freuen.

Johannes 16,22

   
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Trauerpredigt von Pfarrer Andreas Lux
für
Lukas Walter Bernhard Kleitke
am 2.02. 07 um 14.30 Uhr gehalten in der Kirche von Flemhude 

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Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Ps 34,19

Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind. Jes 66,13
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Liebe Ricarda, lieber Ingo, liebe Hanna und Tabea,
liebe Angehörige und Freunde,
liebe Mitschüler und Nachbarn von Lukas, liebe Trauergemeinde,

Lukas, das war kein lauter Mensch. Das wisst Ihr wohl auch alle. Und ich meine das in vielerlei Hinsicht. Lukas hatte keine laute Seele. Wer ihn erlebte, zum ersten Mal vielleicht erlebte, der bekam es zu tun mit einem zurückhaltenden Menschen, introvertiert und mit der Fähigkeit und auch wohl dem Bedürfnis, allein sein zu können. Aber das darf nicht verwechselt werden: Lukas war nicht schüchtern. Denk mal an deinen Vortrag, Ingo, über Medienkonsum: Da hat er sich hingestellt und präsentiert und ruhig und mit einem gesunden Selbstbewußtsein Fragen beantwortet. Er machte da den Eindruck großer Unbefangenheit.

Aber doch. Kein lauter Mensch, keine laute Seele. Und da war etwas in ihm, das ihn manchmal anders wirken ließ als viele andere. Vielleicht so ein bisschen neben dem Hauptstrom. Nie ganz von ihm getrennt, aber auch nicht mitten drin. Dabei hatte Lukas eigentlich immer Menschen, die ihm sehr nahe waren. Einen Freund, den er besonders ins Herz geschlossen hatte. Mitschüler oder auch Cousins.

Lukas war eigentlich immer ein sehr kreativer Junge gewesen. Belegte einen Steinmetzkurs, einen Schmiedekurs, er töpferte und er malte. Aber es gab eine Zeit vor ein paar Jahren, da brach manches davon einfach ein. Lukas zog sich auch mehr zurück. Aber all das hat sich gerade in den letzten Monaten doch mehr gegeben. Auch wenn er allein biografisch auf dem Weg war, sich von euch zu lösen: In letzter Zeit hat er sich immer mehr geöffnet, sich vielseitig interessiert. Wirkte unbefangener.

Ihr Eltern habt Euch wegen des PCs sicher mehr Gedanken und Sorgen gemacht als überhaupt jemals nötig war. Das war ja auch Euer gutes Recht, aber im Grunde wisst Ihr heute, wie ganz anders Lukas ringsherum wahrgenommen wurde. Nämlich als ein in sich ruhender Mensch mit großem innerem Reichtum. Und ich bin mir sicher, von diesem Reichtum wäre gerade in den nächsten Jahren so um achtzehn, neunzehn, zwanzig vieles nach außen gedrungen, mit Schulende und neuen Lebensperspektiven. Wenn er so seinen feine Humor zeigte, dann habt ihr sicher einen Vorgeschmack davon bekommen.

Das alles ist am Mittwoch letzter Woche mit einem einzigen Schlag beendet worden. Zerrissen und abgebrochen. Und hinterlässt: Dass wir das einfach nicht fassen können. Hinterlässt zerbrochene Herzen. „Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind“, dieser Vers aus dem Profeten Jesaja kam euch in den Sinn, und, Ricarda: Das war nicht unbedingt Zufall. Denn Trost, wo ist der jetzt? Und trösten, bitte, wie soll man das jetzt tun? Auf eine Weise, vielleicht, tut ihr eurer Seele gut: Ihr erinnert euch. Dieses Weißt du noch?, das liegt doch immer auf den Lippen. Und zu diesem weißt du noch? gehört nämlich auch, dass Lukas ungeheuer fürsorglich gewesen ist. Zu dir, Ricarda, in deiner letzten Schwangerschaft. Zu euch Geschwistern. Der Vers von Jesaja ist euch nicht durch Zufall in den Sinn gekommen, er war ein Stück weit vorgeprägt.

Fürsorglich vor allem zu dir, Hanna, und dir, Tabea. Wie hat sich der Junge damals gefreut, dass er endlich ein Geschwisterchen kriegt. Und Ihr beide habt von dieser Freude, solange Ihr denken könnt, auch so viel erlebt. „Lukas hat immer alles verstanden“, so kann man von euch hören. Was kannst du Besseres über einen großen Bruder sagen? Schlimmstenfalls, wenn es ihm zu doll wurde mit euch, hieß es mal „jetzt mal alle raus hier aus dem Zimmer!“ Und der große Junge war mächtig stolz auf euren Nachzügler. Darauf, nun noch einen Bruder zu bekommen. Seht euch mal die Bilder an, mit dem kleinen David oder mit euch Schwestern, seht euch das Gesicht von Lukas an.

„Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind“, und von diesem Trost finden wir im Moment bestimmt am meisten, wenn wir zurückdenken. Auch wenn sich in diesen Trost immer wieder Bitterkeit und Schmerz mischt. Ab und zu ein Lächeln der Erinnerung und die Freude, was alles war. Und plötzlich dann wachst du auf und weißt, dass das ja doch alles vorbei ist.

Und lasst mich in einer Stunde wie dieser nichts zu erklären versuchen. Ich glaube, es gibt keine Erklärung, die etwas taugt. Keine. Fangt nicht an zu glauben an Prüfungen Gottes oder an Strafen oder an was auch immer der Kopf sich ausdenkt, damit die Welt rasch wieder erklärbar wird. Sie ist uns in einem solchen Schlag wie der Tod des Jungen nicht erklärbar. Denkt dran, wie Jesus reagierte, als man ihn fragte, warum denn ein Turm auf ein paar Menschen gefallen sei und sie getötet habe, was die wohl verbrochen haben, dass ihnen das widerfährt? Und Jesus sagt nur: Achtet lieber drauf, dass ihr euer Leben eurer Bestimmung gemäß führt. Es gibt nicht die Antwort darauf, warum es diesem Menschen passierte. Weil es für uns eine solche Antwort in diesem Leben nicht gibt.

Aber es gibt dies: Dass wir uns trösten wollen und dass viele euch trösten wollen. Alle auf ihre Art. „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind“, auch dieser Vers ist euch wichtig geworden. Das zerbrochene Herz. Und das Bild von Gott, der dir nahe ist. Der euch auch in Lukas nahe gewesen ist mit allem, was euch reich gemacht hat. Sein Leben hing damals knapp nach der Geburt schon am seidenen Faden, aber er wurde euch geschenkt. Und Ihr gingt den Weg zusammen von Usedom bis nach Flemhude.

Ich glaube, dass Ihr von Gottes Nähe und Gottes Trost viel erfahren werdet auch in der Zukunft. In eurer Wohnung habt Ihr Fotos von Lukas, habt Gegenstände versammelt, die etwas von ihm atmen. Auch die Gegenstände, sie wollen euch trösten und Kraft geben. Alles um euch herum. Und ganz sicher werden auch eure Erinnerungen sich wandeln. Noch ist nur Schmerz. Das muß ganz laut gesagt werden. Und die Frage Warum? Auf die es die Antwort nicht gibt. Aber ganz vorsichtig möchte ich auch das andere sagen, und leise nur, weil es in einem Augenblick wie diesem so schwer zu fassen ist: Auch der Schmerz wartet auf die Erfüllung, die Gott uns versprochen hat.

Der Schmerz wird bleiben. Aber irgendwann wird es wieder ein Lachen geben und Freude durch den Schmerz hindurch. Wird das geben, was die Schrift das Heil nennt. Vorsichtig sage ich das, aber Gott will uns trösten, wenn die Zeit kommt. Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Amen

 

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© Thomas Hans-Otto Bredendiek
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