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Vorschlag zur Vereinigung der lutherischen
mit der frz.-ref. Schule in Gramzow 1809

Walter Bredendiek (um 1955)

abgeschrieben von Hans-Otto Bredendiek (Juni 2006)

 

Unter den Vorschlägen, die Superintendent Hoffmann der Regierung im zweiten Teil des Schulberichts von 1809 unterbreitete, stand der Plan, die Gramzower französisch-reformierte Schule mit der lutherischen zu vereinigen, an erster Stelle. Eine solche Zusammenlegung wäre für die ganze Gemeinde von großem Nutzen, „weil alsdann 2 Hauptklassen formirt, und die Letionen (sic!) unter beide Lehrer vertheilt werden könnten.“ Hoffmann war jedoch schon lange genug im Ort, um die Verhältnisse einigermaßen zu überblicken und so fügt er denn hinzu: „Daß aber eine solche Vereinigung, so wünschenswerth und nothwendig sie auch ist von Seiten der beiden Gemeinden und vielleicht auch noch von anderen Seiten viele und große Schwierigkeiten finden mögte, ist wohl nicht zu läugnen.“ Mit der Erörterung dieses Projekts war schon früher begonnen worden.
Unter dem 25. Juli 1807 hatte das Berliner Oberkonsitorium Hoffmann in einem zusammenfassenden Bericht über die Revision der am 1. Juli gleichen Jahres eingereichten „Schulcataloge“ aufgefordert, „nach wiederhergestellter Ruhe, Euren gutachterlichen Bericht darüber zu erstatten, wie fern es ausführbar seyn mögte, die dortige Schuljugend in zwei besonderen Abtheilungen unterrichten zu laßen.“ Im Zusammenhang hiermit wird auf ein Reskript vom 25. September 1806 Bezug genommen, in dem dieser Gegenstand schon einmal berührt worden sei. Ich vermute, daß diese Anregung, sich überhaupt mit dieser Frage zu beschäftigen, von Hoffmann selbst gegeben worden war; darauf läßt die ganze Art, wie er die weiteren Verhandlungen führte, schließen. Wie sich die Dinge zunächst weitergestalteten, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, jedenfalls schweigen die Akten 2 ½ Jahre lang über diese Angelegenheit. Am 8. Januar 1810 richtete die Kurmärkische Regierung in Potsdam dann ein Schreiben an das Domänenamt Gramzow und den Superintendenten, in dem es hieß: „Aus der von Euch eingereichten Specification der schulfähigen Kinder zu Gramzow erhellet, daß für eine so große Anzahl von Kindern ein einziger Lehrer nicht hinreiche. Es ist nöthig, daß ein Assistent oder Hülfslehrer beygeordnet werde, der entweder die untern Klassen der Schüler unterrichte, oder mit dem sich der obere Lehrer unter der Leitung des Ortspredigers und Superintendenten in den beyden Klassen separatim zu ertheilenden Unterricht planmäßig theile … Da nicht eigentlich eine neue Schulstelle fundirt, sondern nur ein Assistent angeordnet werden soll, wozu man einen jungen Menschen nimmt, der sich dem Schulamte widmet und bereits die vorbereitende Bildung empfangen hat, so wird, da ein solcher nebst freyer Beköstigung und Wohnung nur etwa 40-50 rth. Besoldung erhält, die für ihn erforderliche Subsistenz sich, durch die reglementsmäßige Erhebung des Schulgeldes ausmitteln laßen. In der Specification der Einkünfte ist nämlich das bisherige Schulgeld mit 38 rth. Aufgeführt. Es wird aber nach dem Reglement laut der Circularverfügung v. 12 Novbr v. J. für 154 schulf. Kinder jährlich 205 1/3 rth. Betragen, so daß nicht allein der Assistent, der vielleicht im Hause des Schullehrers gegen ein billiges Kostgeld unterzubringen seyn wird, seine Subsistenz finden, sondern auch die Einnahme des Schullehrers verbessert werden kann. Wir tragen Euch auf nunmehr die neue Regulierung einzuleiten und dabey nach dem Circular v 12. Novbr v.J. zu verfahren. Das reglementmäßige Schulgeld ist sogleich v. 1=t Januar an einzuführen und die daraus für die Besoldung und Beköstigung des anzustellenden Assistenten auszuwerfende Summe vorläufig in cassa zu behalten und davon den zur ersten Einrichtung erforderlichen Lehrapparat anschaffen zu können. Von Euch dem Superintendenten wollen Wir auch einen Lehrplan für die zu einem Ganzen zu combinirenden beyden Lehrklassen erwarten.“
Die Tendenz dieser Verfügung ist unschwer zu erkennen: Wenn es nun schon beim besten Willen – hier möchte man allerdings lieber sagen mit den übelsten Praktiken und Machenschaften – nicht mehr möglich war, daß ein einziger Lehrer mehr als 150 Kinder unterrichtete, so sollte die Entlastung, die man ihm wohl oder übel gewähren mußte, so wenig wie möglich, am besten überhaupt keine Kosten für den Staat verursachen. Man weiß nicht, was man hier mehr bestaunen soll, die Unverfrorenheit, mit der völlig vage und nach allem, was man in Potsdam über die finanziellen Möglichkeiten der durch den Krieg von 1806/07 und die nachfolgende französische Okkupation gründlich ausgepowerten brandenburgischen Landbevölkerung sicher ganz genau wußte, wenigstens in den nächsten Jahren nie und nimmer realisierbare Schulgeldsummen in eine Rechnung eingesetzt wurden, die ohnehin schon genug Unbekannte enthielt oder die Selbstverständlichkeit, mit der unumgängliche Kosten vom Staat auf die Gemeinde abgewälzt werden sollten. Fast unglaublich aber mutet es an, daß man Hoffmann dazu aufforderte, einen Lektionsverteilungsplan für zwei Lehrer aufzustellen, ohne daß auch nur ungefähr zu vermuten gewesen wäre, über welchen Bildungsstand der in Aussicht genommene Hilfslehrer verfügen würde.
In Hoffmanns Antwort an die Regierung ist denn auch der ironische Unterton nicht zu überhören: Rose sei mit Vergnügen bereit einem ihn unterstützenden Assistenten 40 bis 50 Taler Gehalt und freie Kost zu bewilligen, „wenn anders das Schulgeld auf 200 rth. gebracht werden sollte,“ woran er aber wohl ebensowenig geglaubt haben dürfte wie Hoffmann. Im übrigen sei zur Zeit jedoch noch nicht an die Anstellung des Hilfslehrers zu denken, da im Schulhaus weder ein zweiter Klassenraum, noch eine Wohnung für ihn vorhanden sei. „Mit der Anfertigung und Einreichung eines neuen ausführlichen Schulplans“ würde es doch wohl besser noch so lange sein Bewenden haben, bis der zweite Lehrer tatsächlich in Gramzow angestellt worden sein, „weil man zuvor die Kenntnisse und Geschicklichkeiten desselben wißen muß, ehe eine zweckmäßige Vertheilung der Lectionen unter beyde Lehrer zu machen ist.“
Daß Hoffmann die in dem Schreiben der Regierung entwickelten Thesen überhaupt nicht als eine Diskussionsgrundlage für wirksame Verbesserungen des Schulwesens anstrebende Verhandlungen ansah, geht auch daraus hervor, daß er den phantastischen Plan, aus vorläufig am Gehalt des Hilfslehrers eingesparten Geldmittel einen Fonds zur Anschaffung von Lehrmaterialien zu bilden, mit keinem Wort erwähnte, sondern statt dessen vorschlug, zwei der sechs Kirchenglocken, die eine als noch brauchbar, die andere als Bruchmetall zu verkaufen und die so gewonnenen Mittel „zur Anschaffung beßerer Schulbücher für sämmtliche Abtheilungen der Schüler, Lehrbücher und Hilfsmittel für die Lehrer, Schulutensilien etc.“ zu verwenden. Charakteristisch für seine Situation ist die Bemerkung: „Ich lebe umsomehr der frohen Hoffnung, daß E.K.M. meinen Vorschlag zu genehmigen geruhen werden, je weniger derselbe auf die Kasse des Staates und auf den Geldbeutel der Gemeinde berechnet ist.“ Und weiter: „Von Seiten der Gemeinde wird ja ohnehin zu diesem Zwecke wohl keine thätige Mitwirkung zu hoffen seyn, wie die Erfahrung bereits bey einer andern Gelegenheit gelehrt hat. Als auf E.K.M. Befehl vor 6 Jahren eine Industrieschule in Verbindung mit der Unterrichtsschule allhier errichtet werden, und die Gemeinde nur blos die Fuhren und Handdienste beym Bau des zu diesem Behuf zu erweiterten Schulhauses leisten sollte: so erklärte sie gerade zu, daß sie auch nicht das Geringste zum Besten der neuen Schule thun könne und wolle, weil sie jede Schulverbesserung auf dem Lande für überflüßig ja unnöthig halte. ’Wenn unsere Kinder (waren ihre Worte) nur Gottes Wort lesen, ihren Namen schreiben, den Catechismus im Kopfe haben, und dabei pflügen, mähen und dreschen können, so wissen und verstehen sie alles, was zu guten Bauern nöthig ist. Wollen Jedoch S.K.M. gelehrtere Bauern zu Unterthanen haben, so werden Allerhöchst Dieselbe sie wohl auf Ihre Kosten dazu machen laßen.’ Natürlich unterblieb die nützliche und wünschenswerthe Anstalt. Mich dünkt aus dieser unverständigen Äußerung ist die Denkungsart der hiesigen Gemeinde in Absicht der Geistesbildung ihrer Kinder und eines besseren Schulwesens gemeinsam zu erkennen.“
Es ist möglich, daß der Vorschlag, die beiden Ortsschulen miteinander zu vereinigen ursprünglich als Alternativlösung zu dem Plan entwickelt worden war, einen zweiten Lehrer an der lutherischen Schule anzustellen. Festere Gestalt scheint er in den ersten Monaten des Jahres 1810 angenommen zu haben. Bei einer Kirchen- oder Schulrevision, über deren Zweck und Verlauf nichts gesagt werden kann, hat Hoffmann wohl einem höheren Regierungsbeamten, dessen Name aus den vorhandenen Unterlagen gleichfalls nicht hervorgeht, sein Vereinigungsprojekt entwickelt, im Grundsätzlichen Zustimmung gefunden und den Auftrag erhalten vorbereitende Maßnahmen zur praktischen Durchführung des Plans einzuleiten. Der Hauptwiderstand gegen die Fusion kam aus der reformierten Gemeinde, den Hoffmann bis dahin nicht hatte überwinden können. So rechnete er auch bei seinen neuerlichen Verhandlungen auf Ablehnung zu stoßen. „Wider Vermuthen fand ich jedoch meinen Collegen …

 

Hier enden die vorhandenen Unterlagen, die Walter Bredendiek erstellt hat. Die weiteren Schriften sind entweder nicht mehr vorhanden oder irgendwo anders im Nachlaß Walter Bredendieks vorhanden. Vielleicht stoße ich noch durch Zufall auf die Fortsetzung.

Hans-Otto Bredendiek


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