Buchvorhaben
Walter Bredendiek-Carl Ordnung-Günter Wirth
Walter Bredendiek Carl Ordnung Günter Wirth
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Walter Bredendiek
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Inhalt
Rede Hans-Otto Bredendiek


Walter Bredendiek:

KIRCHENGESCHICHTE VON ,LINKS’ UND VON ,UNTEN’.
Studien zur Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
unter sozialhistorischer Perspektive.
Herausgegeben von
Hans-Joachim Beeskow und Hans-Otto Bredendiek

Mit einem Nachwort von Carl Ordnung
Leonhard-Thurneysser-Verlag Berlin & Basel 2011

 

Einleitende Worte von Hans-Otto Bredendiek zur Buchpräsentation am 7. April 2011

Sehr geehrte Anwesende, liebe Freunde, liebe Familie,

es ist für mich aus verschiedensten Gründen schwer zu beginnen, viele der hier Sitzenden kannten meinen Vater aus verschiedenen Lebensphasen. Manche kannten ihn mehr als Arbeitskollegen, als Lehrer oder als Freund, ohne direkten Bezug zu seiner Arbeit. Einige kannten ihn aus der Zeit in Gramzow, andere aus Berlin. Manche kennen ihn auch nur aus Erzählungen durch mich oder durch die Bekanntschaft mit meiner Mutter. Viele können mit Namen wie Emil Fuchs, Karl Kleinschmidt oder Heinrich Deiters nichts anfangen, für Andere sind diese Namen Teil ihres Lebens, dafür ist diesen wiederum Pfarrer Brandt unbekannt. So hat jeder hier einen speziellen Bezug und ich werde es sicher nicht allen recht machen können.

Heute, vor 27 Jahren, genau um diese Zeit, feierten wir den 58’ten, den letzten, Geburtstag meines Vaters. An diesen Tag kann ich mich gut erinnern, an so vieles andere nicht mehr. Damals war ich 19 Jahre alt, es war ja kein besonderer Geburtstag, die Feier nicht groß aber gemütlich gewesen. Dreieinhalb Monate später war er tot. An das letzte Lebensjahr meines Vaters kann ich mich auch noch gut erinnern. Juli 1983 bis Juli 1984 – das war die Zeit des Wechsels meines Vaters von Halle nach Berlin, sein Studienjahr hier und des schnellen und aktiven Engagements an seiner neuen Arbeitsstelle – die ja auch seine Alte war. Es war die Zeit in der ich begann mich für die Arbeit meines Vaters zu interessieren. Er nahm mich mit zur Veranstaltungen zum 50-jährigen Jubiläum der Barmer Theologischen Erklärung, zu Veranstaltungen der Evangelischen Akademie, zu eigenen Vorlesungen in der „Baracke“. Ich war damals wißbegierig, ging zur „Jungen Gemeinde“ und war mit Leuten befreundet, die der „Unabhängigen Friedensbewegung“ nahe standen. Wir, mein Vater und ich, lernten voneinander. Einige von Ihnen – Carl Ordnung sicher – können sich vielleicht noch an die Friedenswerkstätten erinnern. 1984 ging ich mit meinem Vater dort hin und er war angetan von dem Engagement der jungen Leute. Sicher war er in vielen Dingen anderer Meinung. Er wollte nicht in einen Topf mit Oppositionellen geworfen werde, verweigerte sich aber nie dem Gespräch. Er redete auch oft in Kirchen, hielt Vorträge für verschiedenen Kreise der Gemeinden, so auch u.a. in der Jungen Gemeinde meiner Heimatkirche, der Adventgemeinde, einmal auch über die Bedeutung der CDU in der DDR und schaffte es, daß statt billiger Polemik, eine sachliche Diskussion stattfand. Ich war stolz auf ihn.

Heute sind wir, alte Freunde und Bekannte meines Vaters und die Familie hier zusammengekommen um an ihn zu denken. Früh und voller Pläne aus dem Leben gerissen, war die Idee eines Sammelbandes von Aufsätzen schon früh entstanden. Käte Gaede, der wir es zu verdanken haben, daß der wissenschaftliche Nachlaß meines Vaters erschlossen wurde, die sich in selbstaufopferungsvoller Hingabe dieser Arbeit widmete, aber auch in persönlicher Freundschaft unsere Familie begleitete und Hartmut Ludwig wollten eine Auswahl der Arbeiten meines Vaters zu seinem 60. Geburtstag 1986 im Union-Verlag veröffentlichen. Dafür stellte Ludwig eine größere Auswahl an Veröffentlichungen zusammen, die er im Oktober 1984 an Herrn Bregulla schickte. Er wollte dann die Einführung schreiben, enden sollte die Publikation mit der Bibliographie, die er und Ulrike Treu erarbeiten wollten – sie liegt leider nur in der im Standpunkt veröffentlichten Form, Teil 1 vor, die wir für den Band übernommen haben – und das Geleitwort sollte von Prof. Fink kommen. Das Nachwort war noch unklar. Unterstützt wurde dieses Vorhaben von Klaus Geyer, der mit meinem Vater befreundet war, – er betreute damals die Hans-Iwand-Stiftung in Beienrode und war Mitherausgeber der Zeitschrift „Junge Kirche“ –  der Interesse für den Band bekundete und Abnahme von Exemplaren in der Bundesrepublik garantierte. Später, im Juli 1985, schickte Käte Gaede an Herrn Bregulla einen „modifizierten“ Entwurf, der Kürzungen enthielt, die Ludwig so nicht wollte. Jedenfalls trat Ludwig aus dem Projekt aus und Trebs hatte keine Zeit, da er mit einer Publikation über Karl Barth beschäftigt war. Damit blieb die Arbeit an Frau Gaede hängen und die schaffte es natürlich nicht alleine. Somit war der erste und sicher aussichtsreichste Versuch der Publikation gescheitert.

Im März 1990 sprach Käte Gaede, im Zusammenhang mit ihrem Tolstoi-Manuskript, den Sammelband Bredendiek noch einmal beim Union-Verlag an, in der Hoffnung, den Sammelband zum 65. Geburtstag 1991 publizieren zu können. Die Absage kam dann im April 1990, da in der Wendezeit diese Arbeiten nicht mehr zeitgemäß waren und der Verlag finanzielle Verluste befürchtete.

Einen letzten Versuch unternahm Käte Gaede dann mit einem Schreiben an Klaus Geyer im Februar 1991, ob er sie in dem Vorhaben einer Publikation unterstützen könnte. Leider ist die Antwort nicht vorhanden, so daß ich nicht weiß wie Geyer reagierte, aber ich habe durch Briefe die ich ihm während seiner Gefängniszeit schrieb, den Eindruck gewonnen, daß er das Vorhaben immer noch unterstützte. Später war durch die menschliche Katastrophe die seine Familie und ihn traf, natürlich sämtlicher Einfluß von ihm dahin.

Soviel zur Vorgeschichte des Gedenkbandes „Walter Bredendiek“. Was bedeutet aber der Titel „Von links und von unten“? 1972 hielt er an der Evangelischen Akademie Berlin ein Referat zu dem Thema „Kirchengeschichte von links und von unten. Ungewohnte Perspektiven für Kirchengeschichte.“ Elisabeth Adler schrieb dazu in ihrem Beitrag „Einer aus der Wolke der Zeugen“: „Er begann sein Referat mit einem Hinweis auf die biblische Perspektive: Das Evangelium ist frohe Botschaft für die Armen, Gottes Reich gehört den Geringen, sich an ihre Seite stellen ist Sache Jesu und seiner Nachfolger. ‚Links’, das hieße Zeugnis und Nachfolge sei wichtiger als Lehre und Bekenntnis, er nannte das Darmstädter Wort die Programmschrift der Kirchengeschichte von links. ‚Unten’, das hieße aufzuspüren, was das Kirchenvolk geglaubt und wie es seinen Glauben praktiziert habe, das hieße Auswahl von Material, das dieses aufzeigt: Kirchenzeitungen, Synodalberichte, Predigten. Die Kirchengeschichte hatte für Walter Bredendiek – ebenso wie die Geschichte überhaupt – zwei Stränge, einen offiziellen und einen oft gegenläufigen, unterdrückten, einen oberen und einen unteren. Ihm ging es darum, den verdeckten Strang freizulegen und für die Zukunft wirksam zu machen.“ So verstand er auch den Ansatz der Religiösen Sozialisten „in der Kirche – gegen die Kirche – für die Kirche“: gegen eine Kirche, die – wie das Darmstädter Wort 1947 formulierte – im Bunde stand „mit den das Alte und Herkömmliche konservierenden Mächten“ für eine Kirche als Zeugnis und Dienstgemeinschaft, die darum weiß, daß „die christliche Freiheit uns erlaubt und gebietet, Lebensformen abzuändern, wo das Zusammenleben der Menschen solche Wandlung erfordert“.

Wer war Walter Bredendiek, wie wurde er zu dem was er gewesen ist? Ich weiß nicht ob ich eine Antwort geben kann, ich bin sicher auch als Sohn subjektiv, aber ich habe mich in den letzten Jahren ein wenig mit dem Leben und Werk meines Vaters beschäftigt. Sicher kann ich keine wissenschaftliche Einordnung seiner Arbeit vornehmen, dazu bin ich zu sehr Laie, ich kann nur versuchen, anhand seiner Biographie, auf bestimmte Entwicklungen hinweisen und versuche, wenn es mir auch nicht immer gelingt, dabei chronologisch vorzugehen.

Am 7. April 1926 in Swinemünde geboren, kam er zur Welt, als die Familie mehrere Schicksalsschläge traf. Im Juli 1925 heirateten seine Eltern, der Lehrer Otto Bredendiek und die Lehrerin Else Walter. Im September 1925 nahm sich die Großmutter mütterlicherseits von Walter Bredendiek das Leben, der Ehemann war Reichsbahner und erblindete bei einem Rangierunfall. Die Schwester seines Vaters vertrug es nicht, daß ihr Bruder glücklich war und eine Familie gründete und verließ ihn als Haushälterin. Nachdem Walter im April zur Welt kam, starb kurz darauf seine Mutter. Plötzlich war sein Vater wieder alleine, nun auch noch mit einem Kind. Das Überwürfnis mit seiner Schwester war zu groß, er holte sie nicht mehr zurück, sondern eine Fremde ins Haus; Anna Tachilzik. Dies sollte sich als Glücksfall erweisen. Anna kümmerte sich rührend um den Halbwaisen.
Fünf Jahre später, 1930, heiratete Walter Bredendieks Vater ein zweites Mal. Wieder war die Auserwählte eine Lehrerin. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Otfried und Roswitha, mein Onkel und meine Tante die beide leider nicht hier sein können. Auch diese Ehe war von kurzer Dauer, fünf Jahre später starb Walters Vater mit nur 47 Jahren an Krebs. Walter litt sehr unter diesem Verlust, die schulischen Leistungen ließen nach und er war sogar versetzungsgefährdet, er, der die dritte Klasse wegen sehr guter Leistungen übersprang. Ob es Probleme mit seiner Stiefmutter gab, weiß ich nicht. Sie kümmerte sich später sehr um uns und wir Kinder, und auch mein Vater, hatten immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihr. Sie hielt auch die Verbindungen zu seinen in München bzw. Wangerooge lebenden Bruder und Schwester nach dem Mauerbau aufrecht. Vielleicht war sie als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern auch überfordert, ich kann es nicht sagen. Jedenfalls zog mein Vater zum Jahreswechsel 1937/38 nach Gramzow in die Uckermark, der Heimat seines Vaters, zu seiner Tante, der Tabakwarenhändlerin Agnes Bredendiek und der Großmutter Auguste Bredendiek, die Witwe des Schneidermeisters Wilhelm Bredendiek. Nach den Aussagen meines Vaters, aber auch seiner Stiefmutter Elfriede, war die Großmutter eine hochintelligente, sensible und feinfühlige Frau. In diesem Frauenhaushalt wuchs mein Vater nun auf. Viele materielle Dinge gab es nicht, aber die Frauen verwöhnten ihn, ließen ihm Freiraum für seine Studien und es gelang ihm in der neuen Schule, im Uckermärkischen Real-Pro-Gymnasium zu Angermünde durch Fleiß, aber auch durch Förderung seiner Lehrer, zum besten Schüler der Klasse zu werden. „Ihr Vater war ein außergewöhnlicher Schüler.“ schrieb mir Jochen v. Arnim, der ein Klassenkamerad meines Vaters war. „Er zeichnete sich durch Bildung und Wissen aus, übertraf andere Schüler an Intelligenz und war, wie man so sagt geistig veranlagt. Das allein unterschied ihn schon von der Masse der Mitschüler. Seine Leistungen in der Schule waren überdurchschnittlich, manchmal auffallend. Er war ein wenig zurückhaltend, trat nie als Wortführer in Erscheinung, doch wenn er ‚dran’ war, glänzte er. Er war sicher kein ‚Wunderknabe’, besetzte jedoch unzweifelhaft eine Spitzenstellung. Das soll natürlich nicht heißen, er sei in allen Fächern gleich gut gewesen, oben an stand Deutsch. Wenn man damals schon, wie heute, den IQ hätte messen können, so wäre er meiner Schätzung nach, auf 150 gekommen, vielleicht auch auf mehr … In der Klasse wurde er allgemein respektiert.“

Gefördert wurde er in der Schule durch den Lehrer Dr. Springer. Walter Bredendiek schrieb ihm am 8. Juli 1971 in einem Brief, kurz nach dem Tod seiner Tante, bei der er groß wurde: „Wenn man über vierzig Jahre alt geworden ist, wird man doch merkwürdig oft und intensiv an die Anfänge der eigenen geistigen Entwicklung erinnert, und da gehört es nun einfach zu dem Wertvollsten meines Lebens, daß ich ohne jede Einschränkung gern und dankbar an meine Schulzeit in Angermünde denken kann. Besonders stark habe ich das Anfang des Jahres wieder einmal empfunden, als ich am Sarge von Emil Fuchs sprach, der für mich zum eigentlichen magister vitae geworden war. Daß ich aufnehmen konnte, was er uns vermittelte, wodurch mein Denken, meine Wertvorstellungen und Urteilskategorien entscheidend bestimmt worden sind, danke ich zu einem guten Teil auch der Art, wie Sie uns als Kinder und Jugendliche gebildet und erzogen und mehr noch, durch ihr Vorbild beeinflußt haben – durch die Verbindung von Sachlichkeit und Nüchternheit mit großer Menschenfreundlichkeit und Güte, die mir stets unvergessen bleiben werden.“

Von 1936 bis 1940 war Walter Bredendiek Mitglied des Jungvolkes. In die Hitlerjugend wurde er nicht übernommen. Grund dafür war sein kirchliches Engagement und der Wunsch Theologie zu studieren. Groß war der  Einfluß der Nationalsozialistischen Jugendorganisationen auf ihn, glaube ich, nicht. Jeglicher primitiver Propaganda abgeneigt, setzte er sich durchaus kritisch mit dem aktuellen Tagesgeschehen auseinander. Er wünschte sich damals natürlich auch, daß Deutschland den Krieg gewinnen würde, war sich aber schon 1942 darüber im klaren, daß dieser kommende Friede eine andere Gestalt haben würde, als Hitler dem deutschen Volk versprach. In einem Aufsatz vom 18.März 1942 unten dem Thema: „Blick auf die Weltlage. Eine ordnende Übersicht“ setzt er sich kritisch mit der Politik Deutschlands in den von ihm besetzten Ländern, sowie der Politik Japans und Italiens auseinander. Bewertet wurde dieser Aufsatz mit gut und es ist auch dem Geist der Angermünder Schule zu verdanken, daß solche Gedanken nicht nur geäußert werden durften, sondern die Lehrer Themen vorgaben, die zum kritischen Nachdenken zwangen.

Ein weiterer Förderer, der das Talent von Walter Bredendiek in dieser Zeit erkannte und in eine Richtung lenkte, die prägend für seine Art der wissenschaftlichen Arbeit war, war Pfarrer Brandt in Gramzow. Er weckte das Interesse des Jungen für Genealogie und für Kirchengeschichte und wollte ihn vielleicht als seinen Nachfolger als Pfarrer in Gramzow aufbauen. Die Art des induktiven Denkens und der induktiven Beweisführung wurden zur Grundlage seiner wissenschaftlichen Arbeit. Betrachten wir den Professor Bredendiek. Herbert Trebs schrieb 1984, dies auch im Gedenkband zu finden: „Als Vertreter des Spezialgebietes „Neuere und Neueste Kirchengeschichte“ war Walter Bredendiek bemüht, die von ihm erkannten Defizite abzubauen. Er tat das in jener Weise, mit der sich allein ausreichende Grundlagen schaffen ließen, als ein Fanatiker der Kleinarbeit, der gleichwohl die großen Zusammenhänge und die weiträumige Überschau nicht vernachlässigte. Aber er hielt nichts von Geschichtskonstruktionen, die in der freien Luft der Spekulation errichtet wurden und denen die Basis sauber ermittelter und einander zugeordneter Fakten fehlte. Deshalb bemühte er sich mit unermüdlicher Hingabe um scheinbar unbedeutende Personen, geringfügige Vorgänge und am Rande des Geschehens stehende Gruppierungen. Weil es darum ging, das Geschichtsbild der letzten Jahrzehnte „ganz neu zu erarbeiten“, beschritt er diesen mühsamen, aber allein zuverlässigen Weg.“ Diese Grundlagen wurden in Gramzow durch Pfarrer Brandt gelegt. Auch ihm fühlte sich mein Vater Zeit seines Lebens zu Dank verpflichtet. Gestern, vor 70 Jahren wurde Walter Bredendiek konfirmiert, 25 Jahre nach seiner Konfirmation, am 6.4.1966, schrieb er an Pfarrer Brandt: „Es scheint mir der heutige Tag ein guter Anlaß zu sein, Ihnen einmal das zu sagen, was ich, je älter ich werde, um so stärker empfinde, wenn ich an die Jahre von 1941 bis 1943 zurückdenke, an die Zeit, in der Sie meine Entwicklung sehr stark beeinflußten. Das was einem Menschen an Leitbildern von anderen vermittelt wird, prägt ihn wohl am nachhaltigsten für sein ganzes Leben. Es ist das, meine ich, eine Art Koordinatensystem, von dessen Dimensionen es wesentlich abhängt, was man sich später in echter Weise aneignen, was man an neuen Einsichten und Erkenntnissen wirklich verarbeiten kann. Dazu haben Sie, lieber Herr Pfarrer Brandt, mir geholfen und dafür bleibe ich Ihnen von Herzen dankbar. Aus dem Abstand der Jahre und der räumlichen Erfahrung ist mir eines deutlich geworden: Wichtige Grundlagen für das, was ich heute denke und für wesentlich halte, verdanke ich Ihnen – Ihrer Lehre, Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Großzügigkeit und echten Toleranz, der Seite Ihres Horizontes und der Vielfalt Ihrer Interessen.“ Weiter schrieb er: „Für mich ist in den letzten zehn Jahren die Begegnung mit Emil Fuchs entscheidend wichtig geworden. An seinem 90. Geburtstag konnte ich ihm eine Festschrift überreichen, an deren Zusammenstellung ich mit großer Freude gearbeitet habe.“ Die Dankbarkeit, Emil Fuchs gegenüber, findet sich in sehr vielen seiner Aufsätze, von denen einige hier im Gedenkband abgedruckt sind. Entweder Fuchs direkt zum Thema habend, oder doch immer wieder Bezug auf ihn nehmend. Doch zu Fuchs später mehr.

Diese Prägungen durch Pfarrer Brandt erfolgten 1940-1944, also zur Zeit der Hitlerdiktatur. Es würde zu weit führen, die Aufsätze die Walter Bredendiek in dieser Zeit für die Schule schrieb, auch auszuwerten, erkennbar ist aber, daß er sich schon damals für sein geschichtliches Verständnis eine immer fester untermauerte und breitere Grundlage erarbeitete. Hier waren es drei Epochen, mit denen er sich besonders beschäftigte: die Reformation und der Dreißigjährige Krieg, das 18. Jahrhundert und die bürgerlichen Revolutionen des 17.-19. Jahrhunderts. Durch die Beschäftigung mit den bürgerlichen Revolutionen, schon während des dritten Reiches war er von den Idealen der Demokratie überzeugt oder näherte sich zumindest gedanklich an sie an und konnte sich dieses Gesellschaftsmodell als Zukunft nach dem Krieg vorstellen. Wir finden diesen Gedanken auch in seinen Aufzeichnungen während der amerikanischen Kriegsgefangenschaft wieder.

Im März 1943 legte er das Abitur mit dem Prädikat „gut“ ab und studierte ein Semester an der Berliner Universität Germanistik. Danach kam er zum Arbeitsdienst und wurde später Soldat. Als Soldat machte er den Rückzug an der Ostfront 1945 mit, wurde verwundet und kam im Mai 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Aus dieser Zeit ist von ihm ein Kriegstagebuch überliefert. Hier äußert er sich in eindrücklicher Weise über diese Zeit, die Hoffnungen die sich mit dem Kriegsende verbanden, aber auch die Resignation, da er davon ausging, daß Deutschland nicht mehr zum Bund der Völker gehören könne, nach der furchtbaren Hitlerdiktatur. Sein Berufswunsch damals war Tischler zu werden, da er davon ausging, daß in Deutschland keine Akademiker mehr gebraucht werden würden. Entwürdigend war für ihn die Gefangenschaft. Die Rheinwiesenlager waren ja bekannt und berüchtigt. Glücklicherweise wurde er schon im Herbst 1945 nach Nahe bei Holstein in der Nähe von Hamburg entlassen. Dort lebten seine Stiefmutter und seine Geschwister, die Swinemünde kurz vor der furchtbaren Bombardierung am 12. März 1945 verließen. An diesem Tag wurde auch das Elternhaus von Walter Bredendiek zerstört.
Herbert Trebs schrieb in einem Nachruf für meinen Vater: „Weil er Christ war, verstand er den Hitlerkrieg als Schuld, die Niederlage als Gericht, die Befreiung als Ruf zur Umkehr.“ Dies war die Chance die Walter Bredendiek nach dem verlorenen Krieg sah. Noch unsicher wie es in Deutschland weitergehen wird, studierte er zunächst in Hamburg ein Semester Theologie, u.a. bei dem späteren Hamburger Bischof Volkmar Herntrich. Von seinem Wohnort bis zur Universität legte er täglich 30 Kilometer zurück. Er war mittellos und sah keine Möglichkeit, sein Studium, wie er schrieb, auf „ehrliche Art und Weise“ zu finanzieren.

Im Nachkriegsdeutschland wurden Neulehrer gesucht, so auch in Gramzow. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber den Zuständen in der sowjetischen Besatzungszone, ging er im Sommer 1946 nach Gramzow zurück um als Ordinarius die 8. Klasse zu übernehmen. Ein Jahr später begann er ein Studium der Pädagogik, Geschichte und Germanistik an der Berliner Universität. Hier finden wir auch den Beginn seiner politischen Aktivitäten. Zunächst Mitglied der LDP findet er ab 1947 seine politische Heimat in der CDU. Zunächst die Politik Jakob Kaisers unterstützend, finden wir ihn ein halbes Jahr später auf der Seite derer wieder, die der Teilung Berlins und der Berliner Universität konsequent entgegentraten. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte er ein umfangreiches Engagement im Studium, an der Universität und seiner Partei, der CDU. Hier ist auch der Beginn seiner publizistischen Tätigkeit zu finden, die sich im Gedenkband nicht widerspiegeln konnte. Artikel, mehrfach auch Leitartikel, finden sich in der CDU-Presse, der Neuen Zeit, dem Fortschritt, den Landeszeitungen der CDU, dem Union-Pressedienst hauptsächlich zu historischen, pädagogischen, literarischen und kulturpolitischen Fragen. Weiterhin finden sich Artikel vom ihm in Zeitschriften des Kulturbundes, dem Forum, Die neue Schule und der Zeitschrift Bildende Kunst.

Hier begegnet er wieder Personen, die ihn in seiner Entwicklung beeinflußten und prägten: Prof. Deiters, den Schwiegervater seines späteren, lebenslangen Freundes, Fritz Klein, Prof. Wilhelm Heise, dessen Assistent er wurde und Alfred Kantorowicz, dem Herausgeber der Zeitschrift Ost und West. Ost und West war eine literarische Zeitschrift. Neben der Vermittlung zwischen den Nachkriegslagern ging es Kantorowicz auch darum, die Deutschen mit Gedankenwelten bekannt zu machen, die ihnen durch die zwölf Jahre der Diktatur verschlossen geblieben waren. Die kompletten Jahrgänge der Zeitschrift hatte Walter Bredendiek als Student gesammelt und mit umfangreichen Anmerkungen versehen. 1956 ergriff er öffentlich Partei für Kantorowicz, nachdem dieser immer öfter kritisiert wurde. 1957 floh Kantorowicz dann aus der DDR in die Bundesrepublik. Walter Bredendiek vergaß seine Lehrer nicht. Auch hier finden sich Dankesworte die Rückschlüsse auf den Einfluß der gewürdigten Personen auf Walter Bredendiek hatten. 1957, zum 70. Geburtstag von Heinrich Deiters, dem er sein, leider nicht fertiggestelltes, Buch über Bertha von Suttner widmen wollte, schreibt er: „Es ist heute nicht mehr ganz einfach für uns (er meint die Generation der dreißigjährigen), sich der großen Verwirrung noch genau zu erinnern, in der wir standen, als wir knapp zwanzigjährig aus dem zweiten Weltkrieg, aus Schrecken und Grauen zurückkamen, nachdem man uns Verantwortung für Menschenleben übertragen hatte, die zu bewältigen wir weder seelisch noch geistig imstande waren. Daß wir nicht in Resignation und moralischen Nihilismus versanken, daß wir uns nicht gegenstandslosen Spekulationen oder mystischen Obskurantismus in die Arme warfen, ist im Hinblick auf diejenigen unter uns, die in den Jahren nach 1947 an der Pädagogischen Fakultät in Berlin studierten, in ganz entscheidendem Maße Ihr Verdienst. Ich bitte um Verzeihung, aber ich glaube, daß das heute so inflationierte Adjektiv „entscheidend“ hier wirklich am Platze ist. Wenn ich an meine Studentenzeit denke und mich frage, welche Erfahrungen und Eindrücke aus dieser Zeit von bleibender Bedeutung waren, so steht mir dabei immer in erster Linie Ihre Persönlichkeit vor Augen. Ich werde nie vergessen, einen wie tiefen Eindruck Ihre Vorlesung zur Geschichte der Pädagogik im Wintersemester 1947/48 auf mich machten (das war Bredendieks erstes Semester an der Universität). Hier eröffneten sich für uns alle ganz neue Einblicke in Erscheinungen und Zusammenhänge.“ Und nun folgen Sätze, die Bredendieks Grundpositionen zeigen: „Ich kann hier nur von persönlichen Erfahrungen sprechen.“, schreibt er weiter. „Ich denke dabei an die Prägnanz solcher von Ihnen geprägten Sätze wie ‚Der Intellektuelle dient seiner eigenen besonderen Sache, wenn er dem allgemeinen Fortschritt dient’ oder ‚Die besondere Aufgabe unserer Zeit besteht darin, den Gedanken der Humanität zu verallgemeinern, zu demokratisieren. Allgemeingut kann er jedoch nur werden, wenn wir die sozialen und politischen Bedingungen schaffen, unter denen alle ihm nachzustreben vermögen’“. Sätze, die Walter Bredendiek zu Leitgedanken wurden und denen er gerecht zu werden sich bemühte. Sätze, die auch heute noch ihre Gültigkeit besitzen.

Nun hat Günter Wirth vieles über die Anfänge Walter Bredendieks in Berlin in seinem Beitrag zur Gedenkfeier 1984, der in diesem Gedenkband abgedruckt ist, ausgeführt. Hier nur kurz eine Auflistung der Funktionen, die sein intensives politisches Engagement zeigen: er war Hochschulreferent des Landesverbandes Berlin der CDU, als Mitglied des Landesvorstandes zuständig für Jugendfragen – also so etwas wie Vorsitzender der „Jungen Union“ für den Ostteil Berlins; weiterhin Mitglied des erweiterten Hauptvorstandes der CDU in der sowjetischen Besatzungszone; 1948 Mitbegründer und Mitvorsitzender des Demokratischen Blocks an der Humboldtuniversität Berlin – zusammen u.a. mit Oskar Hauser und Fritz Klein, denen er lebenslang verbunden blieb. Diese Tätigkeit spiegelt sich auch in dem Buch von Wirth „Die Hauser-Chronik“ wieder. 1949 war er Delegierter zum III. Deutschen Volkskongreß von, eine Art Vorläufer eines Parlamentes. (Vom 29. zum 30. Mai 1949 tagte der III. Deutsche Volkskongreß in Berlin. 1400 Delegierten kamen aus der Sowjetischen Besatzungszone, 610 aus den Westzonen. Der Entwurf einer Verfassung, den der Verfassungsausschuß des Volksrats ausgearbeitet hatte, wurde am 30. Mai bei einer Gegenstimme angenommen, sowie der Zweite Deutsche Volksrat gewählt.) Er war Redaktionsmitglied der Wochenzeitschrift „Der Fortschritt“, dort gesamtverantwortlich für die Themen der Jugend. Von 1949-50 war er Vorsitzender des Unterausschusses für Hochschulfragen beim Hauptvorstand der CDU und bis 1953 Mitglied des Wissenschaftlichen Arbeitskreises der CDU. Gleichzeitig war er ständiger Mitarbeiter der CDU-Presse, auch außerhalb der Berliner Region.

Im Mai1949 begegneten sich Günter Wirth und mein Vater erstmalig. Der Landesvorstand der CDU Brandenburg hatte die Kreisjugendreferenten zu einer Tagung nach Beelitz eingeladen. Die Referenten waren Gerald Götting, mein Vater, Annerose Zibolsky, Landesjugendreferentin und Mitglied des FDJ-Zentralrats. Letztere war aber krank geworden, so daß Wirth mit der Organisierung der Tagung und mit dem 3. Referat beauftragt wurde. In Beelitz sind sie sich noch nicht näher gekommen – mein Vater war ja, wie Wirth mir mal über diese Begegnung schrieb, schon „prominent“ und, wie ihm damals schien, „viel älter“ (nämlich 3 ½ Jahre!).
Ausgeblendet in Wirths Beitrag bleibt der Einfluß von Dr. Dr. Helmut Brandt, der 1948 zum Vorsitzenden Arbeitskreises Groß-Berlin der CDU gewählt wurde. Mein Vater wurde damals ebenfalls in den Landsvorstand gewählt. Ein knappes Jahr später wurde Brandt durch Arnold Gohr als Vorsitzender des Arbeitskreises abgelöst und gleichzeitig schied auch mein Vater aus dem Landesvorstand aus, er fühlte sich dort nicht mehr wohl, weniger wegen Brandt, mehr wegen Gohr. Brandt, der von den Sowjets als Minister für Justiz in einer gesamtdeutschen Regierung vorgesehen war,  hatte ein tragisches Schicksal, nachdem er sich mit Nuschke in die Waldheim-Prozesse einmischte und saß mehrer Jahre im Zuchthaus. Aufgrund des Einflusses von Nuschke vorzeitig entlassen, wurde er kurz nach seiner Entlassung wiederum inhaftiert.

Kaum im Gedenkband niedergeschlagen hat sich die Zeit von 1950 – 1955, die für meinen Vater, wenn man es so sagen will, eine Zeit des Suchens und der Orientierung war. Dies war aber auch die Zeit, in der er sein erstes großes Buch, die „Christlichen Sozialreformer des 19. Jahrhunderts“ schrieb.

Nach Abschluß seines Studiums wurde Walter Bredendiek 1950 als Hauptreferent am „Deutschen Pädagogischen Zentralinstitut“ angestellt. Vielleicht auch durch den Einfluß von Deiters, ich weiß es nicht. Deiters war 1946 für die Leitung des gesamtdeutschen Zentralinstitutes vorgesehen, lehnte aber ab, obwohl er zunächst die Wiederbegründung des Zentralinstitutes initiierte. Das „Deutschen Pädagogischen Zentralinstitut“ war das wissenschaftlich-pädagogische und ideologische Zentrum der Schulpolitik der DDR, später wurde es dann in die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften umbenannt und erweitert. Werner Dorst war Abteilungsleiter, später Direktor des Institutes und damit der direkte Chef meines Vaters. Dorst promovierte 1952 bei Deiters und wurde 1958 wegen revisionistischer Tendenzen seines Postens enthoben, machte dann allerdings später an der Universität Jena Karriere als Professor für Systematische Pädagogik. Kollege meines Vaters im „Deutschen Pädagogischen Zentralinstitut“ war auch Prof. Dr. Georg Weiß, früher Uni Jena und CDU-Mitglied, nach dessen Tod mein Vater den Nachruf in „Union teilt mit“ schrieb. Er wurde zunächst von seinem Sohn gebeten die Gedenkrede zur Trauerfeier zu halten, was allerdings von der Jenenser CDU nicht erwünscht war, die der Meinung war, es würfe ein schlechtes Licht auf die Jenenser Union, wenn sie einen Redner aus Berlin sprechen lassen müßten.

1951 heiratete er seine Verlobte Marianne Bredendiek. Ein Jahr später wurde auch Sohn Christian geboren. Während seine Familie weiter in Gramzow lebte, arbeitet Walter Bredendiek in Berlin. Der Versuch eine angemessene Wohnung zu bekommen, scheiterte. Seit Anfang der 50ger Jahre arbeitete Walter Bredendiek eng mit Dr. Gerhard Desczyk zusammen, der Sekretär der CDU-Hauptverwaltung Kultur war. Desczyk redigierte auch die Zeitschrift „Union teilt mit“ und dort findet sich auch schon im September 1950 unter dem Titel „Wegbereiter unserer Idee“ eine ausführliche Würdigung und Auseinandersetzung mit Personen, die Walter Bredendiek als Vordenker der CDU würdigte. Diese Arbeiten baute er 1952 in seinem Buch „Christliche Sozialreformer des 19. Jahrhunderts“ aus, daß 1953 bei Koehler & Amelang erschien – gewidmet seinem Vater Otto Bredendiek – und von eminenter Bedeutung für die geistige Findung der CDU unter Otto Nuschke wurde. In zahlreichen ost- und westdeutschen Zeitschriften, in der Schweiz, in Frankreich und in den USA wurde das Buch rezensiert und fand sehr positive Beachtung. Es wurde in Kompendien der Kirchengeschichte und in Nachschlagewerken zur Lektüre empfohlen, so z.B. von dem international anerkannten Kirchenhistoriker Karl Heussi. Zunächst zum Schreiben dieses Buches von der Arbeit im „Deutschen Pädagogischen Zentralinstitut“ freigestellt, der Direktor Dorst war dem Thema sehr aufgeschlossen, nahm er Ende 1952 eine hauptamtliche Tätigkeit als Hauptreferent in der CDU-Parteileitung auf. Dabei sollte er zunächst in Zusammenarbeit mit Dr. Desczyk die Aufgaben des Sekretariates für den Wissenschaftlichen Arbeitskreis übernehmen. Später war er auch für die Bereiche Schulungs-, Kultur-  und Kirchenfragen verantwortlich. Dies hört sich jetzt alles linear an, war es aber tatsächlich nicht. In welche Richtung es damals gehen sollte war durchaus nicht klar. Gleichzeitig zu den Verhandlungen zur Aufnahme einer Tätigkeit innerhalb der CDU versuchte Walter Bredendiek von der außerplanmäßigen in ein planmäßige Aspirantur zu kommen, das wäre aber nur durch eine praktische Lehrertätigkeit möglich, er korrespondierte mit Frau Prof. Rosenow, seiner ehemaligen Dozentin, die ihn fördern wollte. Gleichzeitig wollte er auch bei Prof. Schlemmer promovieren, dazu kam es aber auch nicht. Dies alles deutet auf eine noch nicht ganz sichere Entwicklungsentscheidung hin. Nachdem allerdings die Entscheidung für die hauptberufliche Tätigkeit in der CDU-Parteileitung gefallen war, begann er sofort, selbstbewußt und durchaus kritisch seine Arbeit. Zu erwähnen ist, daß er in den Jahren 1953/54 viel in der Neuen Zeit publiziert hat, zumal auch (fern der aktuellen Politik) Kulturhistorisches, u.a. auch eine Rezession der in der BRD erschienenen Memoiren Friedrich Wilhelm Foersters, auch gab er die„Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ von  Wilhelm von Kügelge neu heraus und schrieb ein Nachwort dazu, welches sich auch im Gedenkband findet. Vielleicht hatte diese Neuherausgabe auch nostalgische Gründe, das Buch findet sich im Nachlaß seiner verstorbenen Mutter und er las es 1942 als er 16 Jahre alt war.
Mitbeteiligt war er an der Initiierung und Ausformulierung der Meißener Thesen von 1951, besser bekannt, falls überhaupt noch, unter dem Stichwort „Thesen des christlichen Realismus“. Hier war sein Thema die Thesen 13-18 „Grundzüge des Geschichtsbildes“. Er beruft sich, auch in seinen Diskussionsbeiträgen, häufig, ihn geradezu als Kronzeugen benutzend, auf Friedrich Naumann. Naumann, der Liberale, nach dem heute die FDP ihre Stiftung benannt hat. Die soziale Frage wollte Naumann durch ein Bündnis von Liberalismus und Protestantismus lösen, durch Einbau von Erkenntnissen aus den Naturwissenschaften, Geschichtsforschung und Philosophie in den „christlichen Glauben der Volksgemeinschaft“ als einer klassenübergreifenden Einheitsideologie. Diese Gedankengänge waren ursprünglich hervorgegangen durch Mitstreiter im Evangelisch-Sozialen Kongreß, die wie Naumann nicht im konservativen oder gar antisemitischen Fahrwasser von Adolf Stoecker fahren wollten. Gleichzeitig war Naumann aber Anhänger des Sozialdarwinismus als „integraler Bestandteil der Ideologie des deutschen Bürgertums“ der auch von anderen christlich-jüdischen Liberalen wie Max Weber, Walther Rathenau, Kurt Riezler, Gerhart Hauptmann oder Maximilian Harden vertreten wurde. „Die Weltgeschichte muß fortfahren Nationen zu zerstören“, schrieb Naumann, „wir scheuen uns gar nicht, Polen, Dänen, Suaheli, Chinesen nach Kräften zu entnationalisieren.“ Mit diesen Widersprüchen zu seiner Theologie war er „ganz Kind seiner Zeit“ und damit auch Protagonist für die Bredendieksche historische Betrachtungsweise: "Lassen wir die Personen dort wo sie sind, suchen wir das Positive in ihrer Entwicklung, was können wir von ihnen lernen, was aber auch besser machen. Die Fehler wollen wir aber auch nicht verschweigen, wir wollen diese ja nicht wiederholen."
Die Thesen des „Christlichen Realismus“ haben heute einen, meiner Meinung nach, unverdient schlechten Ruf und werden häufig als Unterwerfung unter den Führungsanspruch der SED gesehen. Der „Christlichen Realismus“ war die theoretische Grundlage der CDU Anfang der 50ger Jahre. In einer „Analyse der ‚Thesen des christlichen Realismus’“, wahrscheinlich durch die SED erstellt, die im Bundesarchiv zu finden ist, heißt es dazu: „Bei dieser theoretischen Konzeption handelt es sich um eine bürgerliche Ideologie.“ Zu den christlichen Sozialreformern, also zu den Thesen, die mein Vater mitprägte, heißt es in der Analyse: „Es wird herausgestellt, daß sie [die christlichen Sozialreformer] neben Karl Marx … die einzigen waren, die sich im 19. Jahrhundert der sozialen Frage zuwandten. … Indem Karl Marx und die von ihm ausgehende Lehre erwähnt und daneben die die Methoden der christlichen Sozialreformer aufgezeigt werden, ziehen die Verfasser selbst einen Trennungsstrich zwischen der revolutionären … Tätigkeit von Karl Marx zu den vergeblichen Versuchen der Sozialreformer, die bestehende Gesellschaftsordnung durch BEWUßTSEINSÄNDERUNG der Menschen umzugestalten. Besonders bemerkenswert ist der Versuch, die Rolle der Sozialreformer im Interesse der Ausbeuterklasse zu verfälschen. … Die von den christlichen Sozialreformern ausgehende ‚Liebestätigkeit und ihr Verständnis für die soziale Frage’ war ein vergeblicher Versuch der herrschenden Klasse, vom revolutionären Kampf der Arbeiterklasse abzulenken.“ Nichts also mit Unterwerfung unter die SED, hier waren durchaus eigenen Positionen zu finden, die durch die SED auch erkannt wurde. Dem Klassenkampf war immer noch ein Fragezeichen zugeordnet.

In diesem Zusammenhang ist auch der Versuch der CDU zu sehen, 1953 eine theoretische Zeitschrift herauszugeben, an deren Planung Walter Bredendiek beteiligt war. Diese Zeitschrift sollte den Titel „Christlicher Realismus“ tragen und wurde durch das ZK der SED abgelehnt – wie auch nochmals, nach einem neuerlichen Versuch, 1957. Sicher auch bedingt durch die Entwicklung eines theoretischen Fundamentes innerhalb der CDU, die die SED doch am liebsten nur als Transmissionsriemen gesehen hätte.

Doch zurück zu Walter Bredendiek. Als Hauptreferent für Kulturpolitik war er zuständig für die Anleitung der Redaktionen der CDU-Zeitungen für den Kulturteil. Gleichzeitig publizierte er zahlreiche Artikel innerhalb der CDU-Presse, die sich besonders mit Fragen der Geschichtsaufarbeitung und der Pädagogik befaßten. Auf Konferenzen der Kulturredakteure der CDU-Presse und auf der Autoren-Konferenz 1953, die die Mitarbeiter der Buch-Verlage der CDU zusammenführte, hat er durchdachte, kritische aber durchaus vorwärtsweisende Referate gehalten. Auf dem Gebiet der Schulungsarbeit hat er eine Neugestaltung der Schulungspläne für die Parteischulen, gegen nicht unerheblichen Widerstand, in die Wege geleitet und eine Reihe der von der CDU herausgegebenen Bildungshefte redigiert.

Während der Zeit der Auseinandersetzung um die Jungen Gemeinde 1953 kam er auch mit dem Referat für Kirchenfragen der CDU in Berührung, traf dort häufig mit Günter Wirth, dem damals für dieses Referat Verantwortlichen zusammen, den er ja kannte und freundete sich mit ihm und mit Herbert Trebs an. Diese Freundschaften hielten das ganze Leben lang. An den Auseinandersetzungen und der Agitation gegen die Junge Gemeinde beteiligte er sich nicht. Mir sind jedenfalls keine Äußerungen in dieser Hinsicht bekannt. Dies führte dazu, daß er im August 1953 als Nachfolger von Wirth das Haureferat für Kirchenfragen übernahm. In der Zeit seiner Tätigkeit dort, versuchte er vor allem, die Zusammenarbeit der CDU mit den Geistlichen beider Konfessionen zu verbessern und Mißtrauen abzubauen. Zwei Ereignisse, nur als Beispiel, dies könnte man durchaus erweitern, sollen zeigen, welches Vertrauen, in den noch jungen Funktionär, er war 1953 ja gerade mal 27 Jahre alt, gesetzt wurde.

  1. Als am 17. Juni 1953 Otto Nuschke nach Westberlin entführt und dort festgehalten wurde, wurde Walter Bredendiek,  von Götting und Wirth gebeten Kontakt mit der Kirchenleitung aufzunehmen, um Otto Nuschke auch mit Hilfe der Kirche freizubekommen. Er verhandelte einen Tag später mit Generalsuperintendent Krummacher und Dr. Kreysing, die auch zu Hilfe bereit waren und Walter Bredendiek zugleich um Hilfe ersuchten: Die Wochenzeitung „Die Kirche“ wurde in Ostberlin gedruckt, aber es kamen auch Artikel aus Westberlin und die Zeitung mußte nach Westberlin geliefert werden. Die CDU wurde gebeten, mitzuhelfen, daß die Einschränkungen hierfür aufgehoben wurden. Es ist dies damals auch gelungen. Der Bericht, den Walter Bredendiek damals über das Gespräch schrieb, ist im Nachlaß von Otto Grotewohl im Bundesarchiv zu finden.

  2. Am 5. August 1953 veröffentlichte Walter Bredendiek einen Leitartikel in der „Neuen Zeit“ unter der Überschrift: „Fragen der christlicher Lehrer“, der scharf mit der bisherigen Schulpolitik abrechnete. Otto Nuschke, der am Tage der Veröffentlichung auf einer Veranstaltung im Presseclub am Bhf. Friedrichstr. sprechen mußte, durch einen SED-Funktionär gefragt, ob er denn mit diesem Artikel, der insgesamt konterrevolutionär sei, einverstanden sei. Otto Nuschke hierauf: „Ich bin nicht nur einverstanden – ich habe ihn so gewünscht.“ Später fragte er: “Was steht eigentlich drin?“ Als es ihm gesagt wurde, war er sehr zufrieden und meinte, es hätte schlimmer kommen können.

In dieser Zeit 1953/54 ist Walter Bredendiek viel unterwegs gewesen, zu Veranstaltungen von CDU Bezirks- und Kreisverbänden, in Ortsgruppen, aber auch in solchen der Kirche. Dabei kam er mit Theologieprofessoren, Kirchenführer, aber auch Pfarrern, die die Probleme der Basis kannten, in Kontakt. Aus den hiermit verbundenen Erfahrungen (auch Vorstellungen und Wünschen an der CDU-Basis und spezifische Tendenzen von Theologie und Kirche) ergaben sich neue Überlegungen bei Walter Bredendiek, die er mit Herbert Trebs und Günter Wirth, vorsichtig auch mit dem allerdings sehr radikalen Heinz-Wolfram Mascher diskutierte.
(Mascher war der Kontaktmann zu dem 1953, mit der FDJ-Bargeldkasse, nach Westberlin geflohenen stellvertretenden FDJ-Chef, Heinz Lippman,  der eine bekannte Honecker-Biographie schrieb. Später wurde Mascher, der Volkskammerabgeordneter der CDU war, nach einem Treffen mit Lippmann nach dem Bau der Mauer, die nicht vom MfS genehmigt waren verhaftet und inhaftiert. Nach seiner Haftentlassung wurde er SED-Mitglied (!) und Justitiar in einem Betrieb. Mein Vater muß noch oder wieder 1982 mit Mascher Kontakt gehabt haben, denn in seiner Delegiertenkarte zum 15. Parteitag der CDU in Dresden 1982 findet sich unter Notizen die Adresse, mit einem Kreuz versehen, von Heinz-Wolfram Mascher.) 
Diese neuen Überlegungen, suchte Walter Bredendiek 1954 offenbar zunehmend in die Sitzungen des Sekretariats, an denen er teilnahm, zur Wirkung zu bringen. Das muß ihn mit den Opportunisten im Sekretariat, mit den „Pragmatikern“, die mit dem C ohnehin wenig anfangen konnten, in Konflikt gebracht haben; diese wiederum hatten bessere Kontakte zur SED als er, so daß sich im Sommer 1954 offensichtlich ein Gewitter über ihn zusammenbraute. Ohne „Voranmeldung“ sozusagen kam dann eines Tages die fristlose Entlassung, die Götting aussprach, nicht ohne damals für ihn bekannten Sätze hinzuzufügen, die in den Ausruf gipfelten: „Ich lasse Dich verhaften.“ Wenn so urplötzlich eine Entlassung ausgesprochen wurde, muß man allerdings davon ausgehen, daß auch Götting unter Druck gehandelt hat.

Diese Entlassung wurde letztlich in einen Aufhebungsvertrag umgewandelt. Walter Bredendiek ging zurück nach Gramzow, wo er eine Lehrerstelle an seiner alten Schule antrat. Damit kehrte er, als eine in sich gereifte, erfahrene, in politischen Auseinandersetzungen geschulte Persönlichkeit zu seinen Anfängen zurück. Innerhalb kürzester Zeit entfaltete er eine umfangreiche Korrespondenz und Aktivität. Er wurde in den Arbeitsausschuß der DDR des Arbeitskreises Deutscher Pädagogen gewählt, nahm Kontakt zu ehemaligen Professoren auf, um seine Promotion weiter zu betreiben, arbeitete am zweiten Teil der Christlichen Sozialreformer, die England und Frankreich behandeln sollten, gleichzeitig an einem Buch über den französischen utopischen Sozialisten Lamenais und der Neuausgabe der Lebenserinnerungen des Staatsrechtlers Johann Jacob Moser (1701-1785). Engen Kontakt hielt er mit Otto-Hartmut Fuchs, dem Chefredakteur des „Union Pressedienstes“ upd, der aus Westdeutschland in die DDR übergesiedelt, kurzzeitig in Verbindung mit der Dertinger-Affäre verhaftet wurde. Der „Union Pressedienst“ sollte hauptsächlich auf bürgerliche Kreise in Westdeutschland und Westberlin wirken. Dabei geriet der „Union Pressedienst auch in kirchenpolitische Kontroversen zwischen dem Führungsanspruch der SED und andersartigen Gesellschaftskonzepten der CDU. Für den upd schrieb Walter Bredendiek 1954/55 eine Unmenge von Artikeln, teils selbst gezeichnet, teils unter Pseudonym, teils als Leserbrief. Die Themen waren politischer Akzentuierung wie zu Mao-Tse-Tung oder zur Friedensthematik, theologisch-humanistisch wie mehrfach Artikel über Albert Schweitzer zeigen, kultur- und literaturwissenschaftlich, sowie, lokal geprägt durch die Nähe Gramzows zu Biesenbrow, dem Kummerow der Literatur, über Ehm Welk, aber auch über die Schillerehrung 1955. Immer wieder aber schrieb er über pädagogische Themen. Neben der Tätigkeit als Lehrer war er ein gefragter Referent für die CDU im Kreis Neubrandenburg. Hier lernte er auch Emmi Heinrich kennen, damals Bezirksvorsitzende der CDU  im Bezirk Neubrandenburg – später trafen sie sich in Berlin wieder, hier war sie Vorsitzende der Ortsgruppe Königstor. (Sie ist die Mutter des Schauspielers Jürgen Heinrich.) Trotz dieser umfassenden, nur neben seiner Lehrerarbeit möglichen Arbeiten, war er auch regional aktiv. Er hielt Vorträge für den Prenzlauer Kulturbund und arbeitete an einer Geschichte Gramzows. Gleichzeitig entdeckte er die Genealogie wieder für sich und verkartete die ältesten Kirchenbücher der frz.-ref. Gemeinde Gramzows, der deutsch-reformierten Gemeinden Hindenburg, Berkholz und Buchholz. Weiterhin die Orte Potzlow und Lützlow. Sie sehen, seine Aktivitäten waren auch in der „Provinz“ unbeschreiblich. Gleichzeitig versuchten die „zurückgebliebenen Freunde“ ihn wieder nach Berlin zuholen. Nachdem Göttings Ärger und Mißtrauen gegenüber Walter Bredendiek sich nach einiger Zeit gelegt hatte, ergab sich im Herbst 1955 eine Möglichkeit, da im Deutschen Friedensrat die Stelle des Referenten für den Christlichen Arbeitskreis frei wurde.

Am 5. Oktober 1955 war es dann soweit. Walter Bredendiek wurde zunächst Referent und ein Jahr später Sekretär des Christlichen Arbeitskreises. 1957 konnte er dann auch endlich seine Frau und meinen Bruder Christian nach Berlin holen. Mein Bruder litt damals wohl sehr darunter. Lebte er die ersten fünf Jahre seines Lebens bei seiner Großmutter im beschaulichen Gramzow, mußte er sich in Berlin plötzlich mit den Berliner Straßenkindern auseinandersetzen.

Die Tätigkeit beim Friedenrat befriedigte meinen Vater sehr und er übte diese über zwölf Jahre aus. Hier begann auch ein Abschnitt seines Lebens der ihn besonders prägen sollte. Hier festigten sich seine Ansichten und er lernte christliche Persönlichkeiten kennen, die schon vor dem I. Weltkrieg im Friedenskampf standen. Sein Thema wurden immer mehr die Außenseiter innerhalb der Kirche, die Warner und Mahner, denen man nicht gefolgt ist. Von grundlegender Bedeutung waren die Begegnungen mit Emil Fuchs, Erich Hertzsch, Karl Kleinschmidt und Bruno Theek, zu denen er in ein freundschaftliches Verhältnis trat. Seitdem ging er über die Christlichen Sozialreformer hinaus und beschäftigte sich immer mehr mit den Religiösen Sozialisten.

Zu Beginn seiner Tätigkeit versuchte er zunächst die Arbeit des Christlichen Arbeitskreises zu strukturieren und legte grundsätzliche Arbeitsrichtlinien des Christlichen Arbeitskreises vor die es bisher nicht gab. Darin betonte er, „möglichst alle Christen von der Notwendigkeit der Friedensbewegung zu überzeugen und sie für den aktiven Kampf zur Erhaltung und Festigung des Friedens zu gewinnen.“ Eine Aufgabe, die 1955 in Anbetracht der Haltung der Kirchen schwer, wenn nicht gar unmöglich war. Walter Bredendiek ließ sich dadurch aber nicht beirren. Ein großes Engagement entwickelter er bei der Vorbereitung und Durchführung der „Christlichen Begegnungen“. Hierzu wurden Pfarrerkonferenzen abgehalten, die z.T. durch starken Diskussionsbedarf, bzw. Verweigerung durch die Pfarrer gekennzeichnet waren. Daraus lernend wurde die Basisarbeit breiter ausgebaut. Die Kreise bekamen den Vorzug vor den Bezirken, denn wer kann schon erwarten, daß eine größere Anzahl von Pfarrern zu Bezirksveranstaltungen kommt, wenn sie sich nicht einmal im Kreis zusammenfinden. In langer mühevoller Arbeit besserte sich im Laufe der Jahre die Akzeptanz des Christlichen Arbeitskreises unter den Pfarrern. Diskutiert wurden aber immer auch politische Themen. Eine der ersten großen Schwerpunkte seiner Arbeit war die Ausstellung „Christliche Verantwortung  für den Frieden“ die am 1.Februar 1956 eröffnet wurde und national und international Beachtung fand.

Ein weiteres Gewicht seiner Tätigkeit lag im engen Kontakt mit christlichen Friedenskämpfern in der Bundesrepublik und Westberlin, aber auch in Österreich und Italien. Viele Reisen führten ihn in diese Länder und er lernte solch wichtige Persönlichkeiten wie Helmut Gollwitzer, der das Vorwort zu seinem Buch „Irrwege und Warnlichter“ schrieb, Renate Riemeck, Martin Niemöller, Hans A. de Boer und Friedrich-Wilhelm Marquardt, aber auch den damals bekannten Danilo Dolci, kennen. Zu seinem Buch „Umfrage in Palermo“, welches nach Absprache mit Dolci im Union-Verlag in einer DDR-Lizenz herausgegeben wurde, schrieb er das Vorwort, welches auch Eingang in den Gedenkband gefunden hat. Er hatte Verbindungen zur Gesamtdeutschen Volkspartei deren Gründer von der Bekennenden Kirche beeinflußt waren und die Westbindung Adenauers ablehnten. Einer der Gründer war der spätere Bundespräsidenten Gustav Heinemann, aber auch Johannes Rau, ebenfalls später Bundespräsident, war dort aktiv. Nach der Auflösung der Partei blieben die Kontakte zu Einzelpersonen bestehen. Viele Persönlichkeiten wären noch zu nennen. Eine weitere wichtige Anlaufstelle für Walter Bredendiek waren die bürgerlichen Friedensgesellschaften, vor allem die Deutsche Friedensgesellschaft. Deren Geschichte erforschte er sehr intensiv, vor allem den Einfluß der Pfarrer Otto Umfrid, Julius Rupp und Carl Vogl, aber auch die Persönlichkeit der Pazifistin Bertha v. Suttner.
Es würde zu weit führen die von ihm geleistete Tätigkeit im Friedensrat umfassend zu würdigen. In dieser Zeit untersuchte er die Struktur und Wirkungsweise des deutschen Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere dessen Auswirkungen auf die nicht-proletarischen, demokratischen und christlichen Friedensbewegungen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen übernahmen der Weltfriedensrat und die Christliche Friedenskonferenz für ihre Studienarbeit. Im Jahre 1963 beauftragte ihn das Internationale Institut für den Frieden in Wien mit der Erforschung und Darstellung von Leben und Werk Bertha von Suttners. Für den Weltfriedensrat wurden die Ergebnisse dieser Arbeit eine Grundlage für die Würdigung dieser Pazifistin zu ihrem 50. Todestag. Er war verantwortlich für den Erfolg verschiedener Konferenzen mit wie z.B. der Görlitzer Theologenkonferenz. Am 13. Mai 1964 konnte er seinem hochverehrtem Lehrer Emil Fuchs zu seinem 90. Geburtstag die vom ihm redigierte Festschrift „Ruf und Antwort“ übergeben, worauf er sehr stolz war. 1966 schrieb er an Erich Hertzsch: „Wenn ich heute an die Entstehungsgeschichte dieses Buches zurückdenke, so kann ich nur sagen: keine Arbeit hat mich viele Monate so intensiv beansprucht, aber keine hat mir auch jemals soviel Freude gemacht wie diese.“ Bemerkenswert war auch die Resonanz. Mein Vater erhielt allein aus der Bundesrepublik, Westberlin und dem nichtsozialistischen Ausland über 150, z.T. sehr ausführliche Briefe u.a. von Günther Dehn, Gustav Heinemann, Carl Friedrich und Richard von Weizsäcker, um nur einige zu nennen. Abgesehen von den genannten „Prominenten“ äußerten sich auch viele Menschen, die „von Haus aus“ gar keine Beziehung zu Emil Fuchs und sein Werk hatten. 

In seiner Zeit beim Friedensrat entstanden auch solch wichtige Arbeiten von ihm wie:

Gollwitzer schreibt in seinem Vorwort zu den „Irrwegen und Warnlichtern“ unter der Überschrift „Warum dieses Buch wichtig und nötig ist?“:  „Was hier aus der neueren Geschichte der evangelischen Christenheit in Deutschland berichtet wird, ist noch kaum in unser Bewußtsein gedrungen, obwohl es so erschütternd und folgenreich ist, daß man ohne Kenntnis dieser Tatsachen auch die heutige innere und äußere Lage der Kirche in unserem Lande und die religiöse Situation der Gegenwart nicht wirklich verstehen kann, – ganz abgesehen von unserer nationalen Geschichte, in der die hier mitgeteilten Fakten ein sehr wirksamer Faktor gewesen sind. Historiker und besonders Kirchenhistoriker haben dieser uns so nahen Geschichtswirklichkeit bisher nur wenig Aufmerksamkeit gegönnt. Was wir heute beklagen im Blick auf das äußere Schicksal des deutschen Protestantismus nach 1945, so steht es in einem unmittelbaren Kausalzusammenhang mit der Verflechtung weiter Kreise dieses Protestantismus, und vor allem seiner offiziellen und namhaftesten Vertreter, mit denjenigen politischen und sozialen Kräften, die zu 1914 und zu 1933 und 1939 … geführt haben. … Wer heute noch bestreitet, daß die Kirche die ‚Waffen gesegnet hat’, lese die Zeugnisse dieser ‚Nationalprotestanten’ um eines Besseren belehrt zu werden. Er lese aber auch, was schon damals an mutigem Friedenszeugnis aus dem Munde einzelner evangelischer Pfarrer in Deutschland laut geworden ist, um dieser besseren Tradition heute endlich zum Siege zu verhelfen.“
Soweit Gollwitzer, der mit seinen Worten die Bedeutung der Erforschung der jüngeren Kirchengeschichte und deren Wechselwirkung mit der Sozialgeschichte betont.

Ein für meinen Vater sehr wichtiges und einprägsames Erlebnis, war eine Reise in die Sowjetunion, als Teilnehmer einer gesamtdeutschen Delegation des Deutschen Friedensrates und des Friedenskomitees der Bundesrepublik Deutschland. Höhepunkt der Reise war der Empfang durch den Ministerpräsidenten Bulganin und den ersten Sekretär des ZK der KPdSU Chruschtschow, der in beiden Teilen Deutschlands Beachtung fand. Dieser Empfang, der mehr als drei Stunden dauerte drehte sich vor allem um die damaligen politischen Brennpunktthemen, wie die Ereignisse im Nahen Osten und in Ungarn. Breiten Raum beanspruchte im Verlauf des Gespräches die Frage der deutschen Widervereinigung. Denn, betonte Chruschtschow, „mit Deutschen zur reden, ohne die Widervereinigung zu erörtern, ist nicht möglich.“ Er betonte, daß es ihm völlig fern liege, irgend jemand seine Meinung aufzuzwingen. Die Herstellung von Kontakten zwischen den beiden deutschen Staaten, sei nach seiner Auffassung die beste Möglichkeit, eine Annäherung zwischen den beiden deutschen Staaten herbeizuführen. Im Laufe solcher Kontaktaufnahmen und der sich daraus ergebenen praktischen Arbeit, würde sich herausstellen, welches gesellschaftliche System das bessere sei. Er ist überzeugt, daß die Deutschen diese Frage, ihren eigenen Interessen entsprechend selbst lösen würden.

Chruschtschow war für meinen Vater ein Hoffnungsträger und er kam im Laufe seines Lebens immer wieder auf ihn zurück. Mein Vater war aktives Mitglied des Elternaktives und Elternbeirates meiner Schule. Ich kann mich noch gut erinnern, daß er, was mir als Schüler immer sehr peinlich war, die jeweiligen Geschichtslehrer zu uns nach Hause einlud. Er betonte bei diesen Gesprächen immer wieder, daß nach Lenin nicht Breschnew folgte, sondern daß die Entwicklung in der Sowjetunion vielschichtiger und anders verlaufen ist, als das der normale Geschichtsunterricht hergab.
In den sechziger Jahren führte die Verzahnung mit der Tätigkeit christlicher Kreise der Nationalen Front sowie die Etablierung anderer kirchenpolitischer Gruppierungen wie der Christlichen Friedenskonferenz, dem Evangelischen Pfarrerbund und der Berliner Konferenz katholischer Christen zu einem Bedeutungsverlust des Christlichen Arbeitskreises. Zudem kam es zu einer Umstrukturierung der Arbeit des gesamten Friedensrates, die nachgeordneten Kreis- und Bezirksfriedensräte wurden aufgelöst. Dadurch entfiel die für Walter Bredendiek so wichtige Basisarbeit und die Möglichkeit direkt vor Ort zu wirken. In einem umfangreichen „Memorandum zu einigen Problemen des Christlichen Arbeitskreises im Friedensrat der DDR“ wies er auf die entstandene Situation hin und schlug Lösungen vor. Die Umstrukturierung des Friedensrates war allerdings nicht mehr zu revidieren.

Die entstandene Situation war auch seinen Freunden Emil Fuchs und Erich Hertzsch bekannt. Emil Fuchs und Erich Hertzsch waren diejenigen, denen er die Erkenntnisse und Impulse verdankte, die für seine politische Haltung und seine wissenschaftliche Orientierung, aber auch ganz allgemein für seine persönliche Entwicklung letztendlich entscheidend geworden waren. Beide verehrte er sehr. Zunächst in privaten Gesprächen entstand der Plan, meinen Vater zum Hochschullehrer zu qualifizieren, damit er eine hauptamtliche wissenschaftliche Tätigkeit ausüben konnte. Beide meinten, daß seine jahrelange Arbeit in der Friedensbewegung ihn in nahe Berührung mit Problemen gebracht hatte, die dringend für die Erforschung und Darstellung der Kirchengeschichte der neueren Zeit systematisiert werden sollten. Da ihre Überlegungen Vorstellungen berührten, die mein Vater bereits seit einiger Zeit hatte, bat er sie, die entsprechenden Möglichkeiten zu sondieren. Fuchs und Hertzsch setzten sich beim Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen, sowie beim Staatssekretär für Kirchenfragen für ihn ein. Die Übernahme in das Amt des Hochschullehrers verlief nicht so gradlinig wie es sich anfänglich andeutete. Die geplante Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters wurde gestrichen, so daß er Anfang1967 zunächst eine Aspirantur an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität erhielt. Es gab dann verschiedene Überlegungen wo mein Vater eingesetzt werden sollte, von Greifswald, Berlin, Halle oder Leipzig war die Rede. Ich verkürze dies hier mal. Genau hat diese Vorgänge Dr. Friedemann Stengel in seinem Buch über die Theologischen Fakultäten beschrieben, der Teil der meinen Vater betrifft, ist im Gedenkband enthalten.

Allerdings war es für unsere Familie eine harte Zeit. Vorher war mein Vater ein sich auf den internationalen Parkett bewegender Repräsentant der DDR, ab 1967 war er wieder ein besserer Student, was sich auch in seinem Einkommen niederschlug, er bekam nun ein Stipendium. Zudem kam 1964 ich, 1966 mein Bruder Markus und 1967 meine Schwester Ricarda zur Welt. In dieser Zeit schrieb er, auch um dadurch sein Einkommen zu verbessern, neben seinen Studien die er für den erfolgreichen Abschuß der Aspirantur betrieb, eine große Anzahl von Gutachten, Zeitungsartikeln, Aufsätzen und u.a. auch das Nachwort zu Ann-Charlott Settgast Roman über Bertha von Suttner „Wagnis einer Frau“, – dieses Nachwort findet sich auch im Gedenkband. Geplant war für 1968 auch ein Heft für die Reihe „Christ in der Welt“ über Friedrich Wilhelm Foerster, mit dem sich mein Vater, Foerster als „bürgerlichen Kritiker des deutschen Imperialismus“ sehend, sehr beschäftigt hat. Dem Hauptvorstand der CDU in dem er seit 1956 war, gehörte er seit 1968 nicht mehr an, da Gerald Götting meinte er sei dort als Sekretär des Friedensrates gewesen. Eine Argumentation, die mein Vater nicht recht verstand, daß man dem Hauptvorstand qua Funktion und nicht qua Person angehöre.

1971 promovierte er zum Dr. der Theologie mit dem Prädikat „magna cum laude“ aufgrund bisheriger Veröffentlichungen. Am 1.2.1972 wurde er als Dozent für das Fach „Kirchengeschichte“ nach Greifswald berufen, blieb dort allerdings nur ein halbes Jahr und wurde zum 1. September desselben Jahres nach Halle an die Martin-Luther-Universität umberufen. Nach anfänglichen Auseinandersetzungen mit dem Sektionsdirektor Wallis, der die Umberufung verhindern wollte, und Walter Bredendiek als „unwillkommene Gabe“ des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesens sah, trat er in den Hallenser Lehrkörper ein. Friedrich de Boor, sein Fachkollege, unterstützte meinen Vater von Beginn seiner Tätigkeit an und erleichterte ihm dadurch das Einleben an seiner neuen Wirkungsstätte. Beide hatten ein enges, kollegiales, fast freundschaftliches Verhältnis. Herr de Boor bedauert es auch außerordentlich heute nicht hier sein zu können, aber die Strecke Berlin – Halle, nur für einen Abend wäre ihm doch eine zu große Belastung gewesen. Walter Bredendiek setzte sich mit Ruhe und Gelassenheit, sowie durch hohe fachliche Qualifikation und Fleiß an der Sektion durch und entwickelte sich in den Hallenser Jahren zu einem hochqualifizierten Hochschullehrer. Die Beziehungen zu Wallis entspannten sich und während Wallis zweiter Amtszeit als Dekan – von 1978 bis 1984 –  unterstützte er ausdrücklich den Plan der Sektionsleitung Walter Bredendiek zum außerordentlichen Professor zu berufen. In seiner Begründung für die Berufung schreibe Wallis u.a.: „Durch die Behandlung der Neueren und Neuesten Kirchengeschichte durch Herrn Dr. Bredendiek wird dieses Sachgebiet in einer Weise gewürdigt, wie es bislang noch nicht geschehen ist … Herr Dr. Bredendiek kommt der Verpflichtung [der Ausbildung von Geistlichen für den kirchlichen Dienst] mit einem beachtlichen Ideenreichtum nach, der die Studenten der Sektion stets neu zu interessieren vermag … Herr Dr. Bredendiek ist dabei selbst praktizierender und engagierter Christ in seiner Heimatgemeinde.“ So weit Wallis. Der  Titel Professor wurde meinem Vater dann 1980 verliehen. Das Schwergewicht seiner Lehr- und Forschungstätigkeit in Halle legte er auf die Darstellung, Analyse und Aktualisierung progressiver Traditionen in den Landeskirchen der damaligen DDR im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei entstanden eine Reihe von Seminar- und Diplomarbeiten sowie Dissertationen die diesen Ansatz z.T. wesentlich förderten. So u.a. über Themen wie die Stockholmer Konferenz von 1925, den Arbeitskreis für kirchliche Fragen beim Nationalkomitee „Freies Deutschland“, die Behandlung der sogenannten „Kriegsschuldfrage“ in der Ökumene und das Stuttgarter Schuldbekenntnis von 1945, aber auch häufig Hallenser Themen wie Religiöser Sozialismus (Anmerkungen zur Geschichte der Ortsgruppe des Bundes religiöser Sozialisten in Halle oder Die Lutherehrungen im Jahr 1933 in Halle und mehrfach Arbeiten zu Günter Dehn.

Probleme ergaben sich aus der Trennung zwischen Wohn- und Arbeitsort. Nach der Emeritierung der Professorin Rosemarie Müller-Streisand wurde Walter Bredendiek zum 1. September als ihr Nachfolger nach Berlin umberufen. Dies erfolgte auch, neben der fachlichen Seite, unter einem menschlichen Aspekt. Die Berliner Sektion Theologie erhoffte sich, daß Walter Bredendiek als Mittler zwischen den Flügeln um Hanfried Müller auf der einen und um Hans-Hinrich Jenssen und Herbert Trebs auf der anderen Seite fungieren könne. Anneliese Feurich charakterisierte eine seiner Stärken so: „Dabei lag ihm sehr daran, das Verhalten von Menschen möglichst gerecht zu charakterisieren, sie nicht nur zu verurteilen, sondern möglichst auch auf ihre guten Seiten hinzuweisen.“ Das kam dem Spruch sehr nahe, mit dem wir groß wurden, oft hörten wir von ihm: „Jeder Mensch hat gute und schlechte Seiten. Wichtiger als die schlechten Seiten sind die Guten.“ Mein Vater freute sich sehr über diese Umberufung und breitete seinen Radius und seine Aktivitäten in diesem letzten Jahr seines Lebens schnell und weit aus. Der direkte Kontakt mit den Studenten gefiel im ausgezeichnet und viele seiner Studenten waren in diesem Jahr bei uns zu Hause zu Besuch. 1983 wurde er Mitglied des Luther-Komitees der DDR. Diese Aktivität schlug sich auch in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit nieder, und, da er diese nicht nur als Forschung sondern auch als aktive Lehre verstand, bezog er seine Studenten mit ein. Gemeinsam mit einigen Studenten erstellte er einen Band von Seminararbeiten zum Thema „Das Lutherbild von 1883-1933“. Dieser Band sollte im Union-Verlag erscheinen, wurde aber letztendlich abgesagt. Wie weit seine Interessen auch über Deutschland hinaus gingen, auch dies gemeinsam mit den Studenten, zeigt die Diplomarbeit des Angolaners Lorenyo Estafanio Pedro über  „Das Lutherbild in Angola“, die er gemeinsam mit Carl-Jürgen Kaltenborn betreute.

Auch knüpfte er wieder an seine uckermärkischen Forschungen an, einer der letzten Briefe der ihn zwei Tage vor seinem Tod erreichte, war von Pfarrer Lüpnitz, dem Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Uckermärkische Kirchengeschichte, der mit ihm besprechen wollte, wie er in der Arbeitsgemeinschaft, nun da er wieder in Berlin beruflich tätig sei, mitarbeiten könnte. Dazu sollte es nun nicht mehr kommen. Am 26. Juli 1984 verstarb mein Vater plötzlich und unerwartet an einer Lungeembolie.
Geplant hatte er noch viel. Mehrere Arbeiten standen kurz vor dem Abschluß, so ein umfangreiches Buch über Otto Umfrid, eines über Bertha von Suttner sowie Arbeiten über die Religiösen Sozialisten. Ausarbeitungen finden sich u.a. zu dem Plan eines „Genealogischen Atlasses der Kirchengeschichte“.  Was er noch vorhatte blieb ungetan. Viele faßten Günter Wirths Berufung 1985 als Honorarprofessor für Neuere und Neueste Kirchengeschichte zum Honorarprofessor an der Sektion Theologie Berlin so auf, als wäre er Walter Bredendieks Nachfolger geworden. Dies war in einem Punkt natürlich richtig: In der Tat war das Herangehen an die Analyse kirchengeschichtlicher Probleme durch Günter Wirth identisch mit dem methodischen Ansatz, den mein Vater immer praktiziert hat. In zwei Punkten dementierte Wirth aber energisch: „Wie sollte ich“ schrieb Wirth an meine Mutter „unter Beibehaltung meiner publizistischen Arbeit als Honorarprofessor das leisten, was Walter – noch dazu mit seinem pädagogischen Eros – vollberuflich geleistet hat? … Der zweite Punkt ist aber viel entscheidender: Wer von Walters Freunden möchte sich – gerade im Bereich ‚Neuere und Neueste Kirchengeschichte’ – mit Walter vergleichen? … Verstehen Sie bitte richtig, warum ich Ihnen … dies schreibe – es ist bei aller Freude über diese Berufung für mich auch ein Moment des Bangens gegeben, an Walter gemessen zu werden, und das hängt gerade mit den beiden Punkten zusammen.“

Der Praxisbezug der Forschungen meines Vaters ergaben sich aus seiner gesellschaftlichen Arbeit: Seit 1956 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Präsidiums des Friedensrates, wie schon erwähnt war er von 1956 bis 1968 Mitglied des Hauptvorstandes der CDU. Seit der Gründung der Christlichen Friedenskonferenz 1958 nahm er an ihrer Arbeit teil. Er war Mitglied des Regionalausschusses der CFK in der DDR und in der Internationalen Kommission der CFK für Fragen der europäischen Sicherheit. Weiterhin gehörte er zum Herausgeberkreis der protestantischen Monatsschriften „Glaube und Gewissen“ und des „STANDPUNKT“ und zum Redaktionskollegium des „Evangelischen Pfarrerblattes“. Seit 1947 war er Mitglied des Kulturbundes. Ihm wurden zahlreiche Funktionen auf verschiedenen Ebenen übertragen, so war er u.a. Mitglied des Kreislehrerrates, Mitglied der Schiedskommission im Friedenrat, Vorsitzender der Kommission Natur- und Heimatfreunde im Kreis Prenzlau und Mitglied des Ortsgruppenvorstandes der CDU. Seine besondere Liebe galt der Pädagogik, so war er zu unserer Schulzeit Mitglied und Vorsitzender des Elternaktives und des Elternbeirates.

Ich freue mich sehr, daß heute hier so viele mir Bekannte aber auch Unbekannte zusammengekommen sind. Ist dies doch ein Zeichen, daß mein Vater, seine Arbeit und sein Engagement nicht vergessen sind. Viele Menschen hat er mit geprägt, z.T. sehr intensiv. Auch ich habe sehr viele Impulse die meine Gedankenwelt betreffen von ihm erhalten. Das war ja das gute bei uns zu Hause. Wenn man las, tat man etwas Sinnvolles. Er las in den letzten Lebensjahren viel die neue DDR-Literatur, ich übrigens auch. Er brachte mir bei, wie man aus dieser Literatur viel über die nicht offizielle Sicht der DDR lernen konnte. Und jemanden zu haben, der die Neigungen die man hatte förderte, daß das nicht selbstverständlich war, habe ich auch erst nach seinem Tod gelernt.

Ich möchte hier an dieser Stelle noch an jene gedenken, die aus unserer Familie und dem engsten Freundeskreis nach meinem Vater verstorben sind. An Lukas Kleitke, seinem Enkel, den er nicht kennenlernen konnte, mit 16 Jahren 2007, unsere Freundin Käte Gaede auch 2007, der Bruder meiner Mutter, Burkhard Watzke, 2009 und an meinem Bruder Markus der mit 43 Jahren im letzten Jahr verstarb.

Ich möchte mich hier aber auch bei meiner Frau Elke bedanken. Sie hat mich in allen meinen Vorhaben unterstützt, und mir die Zeit und die Urlaube verschafft, in der ich die in diesem Gedenkband abgedruckten Arbeiten abschreiben und Korrekturlesen konnte. Ihr haben wir auch die Organisation des Büffets und der Getränke zu verdanken. Dank auch an allen, die sich an der Zubereitung beteiligt haben. Ich danke auch an dieser Stelle meiner Mutter Marianne Bredendiek, die einen Teil des Druckkostenzuschusses übernommen hat.

Viele Weggefährten meines Vaters wären heute gerne gekommen, aber Alter und Krankheiten ließen es bei vielen nicht zu. Ich nenne stellvertretend Carl-Jürgen Kaltenborn, Günter Krusche, Fritz Klein, Friedrich de Boor, Gert Wendelborn und Günter Brakelmann. Alle wünschen uns einen gelungenen Abend.

Vor allem möchte ich mich bei Herrn Dr. Beeskow bedanken, für sein Engagement. Ohne ihn würden wir heute nicht in diesem schönen und würdigen Ambiente sein können. Vielen Dank Herr Beeskow, daß Sie uns ihr „zweites Wohnzimmer“ zur Verfügung gestellt haben.
Uns allen hier versammelten wünsche ich noch einen schönen Abend, gute Gespräche und ein gemütliches Beisammensein.
Vielen Dank.

Thomas Hans-Otto Bredendiek, 7.4.2011