Buchvorhaben
Walter Bredendiek-Carl Ordnung-Günter Wirth
Walter Bredendiek Carl Ordnung Günter Wirth
Vorbemerkungen
Walter Bredendiek
Carl Ordnung
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Inhalt
Rede Dr. H.-J. Beeskow


Walter Bredendiek:

KIRCHENGESCHICHTE VON ,LINKS’ UND VON ,UNTEN’.
Studien zur Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
unter sozialhistorischer Perspektive.
Herausgegeben von
Hans-Joachim Beeskow und Hans-Otto Bredendiek

Mit einem Nachwort von Carl Ordnung
Leonhard-Thurneysser-Verlag Berlin & Basel 2011


Einleitende Rede anläßlich der Bredendiek-Buchpräsentation am
7. April 2011

im Großen Saal des Paul Gerhardt Stifts Berlin

von Dr. theol. Hans-Joachim Beeskow
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Liebe Frau Bredendiek,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

zunächst danken wir Ihnen, daß Sie unserer Einladung zur heutigen Präsentation des Buches von Walter Bredendiek „Kirchengeschichte von ‚links’ und von ‚unten’“ gefolgt sind. Ich heiße Sie alle herzlich willkommen, hoffe und wünsche, daß Sie eine angenehme und anregende Stunde haben werden.

Dann danke ich dem Gastgeber, dem Paul Gerhardt Stift, vertreten durch Frau Diakonin Horn-Gittel, Oberin Schwester Siegrid Fellechner und Frau Schulz, daß wir hier und heute die Buchpräsentation durchführen können und natürlich Herrn Kantor Wolfgang Tretzsch, der unsere Veranstaltung musikalisch umrahmt und unser gemeinsames Singen begleiten wird.
Er spielte uns eingangs Präludium und Fuge in C-Dur von Johann Philipp Kirnberger, der 1721 in Saalfeld geboren wurde. Ab 1758 bis zu seinem Tod 1783 wirkte Kirnberger als Lehrer für Komposition bei Anna Amalie von Preußen und als Kapellmeister sowie als musikalischer Berater am Preußischen Hof.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
den heutigen Tag, den 7. April 2011, haben wir für die Buchpräsentation überaus bewußt gewählt, denn heute wäre Walter Bredendiek 85 Jahre alt geworden.

Dank wertvoller, intensiver Vorarbeiten von Hans-Otto Bredendiek, ein Sohn von Walter Bredendiek, wurde es möglich, diesen Band zu edieren und Ihnen heute zu präsentieren. Daß ein Sohn, wie Hans-Otto Bredendiek, in solch beispielgebener, hervorragender Weise um das Erbe seines Vaters bemüht ist, habe ich bislang noch nie erlebt.
Walter Bredendiek, der leider nur 58 Jahre alt wurde und bereits 1984 verstarb, hat ein relativ umfangreiches wissenschaftliches Werk hinterlassen. Aus diesem Werk haben wir einige wichtige Aufsätze der verschiedensten Themenbereiche ausgewählt und in dem heute zu präsentierenden Band zusammengefaßt bzw. zusammengestellt.
Einige Weggefährten und enge Vertraute von Walter Bredendiek weilen heute unter uns. So begrüße ich nochmals und besonders seine Witwe, Frau Marianne Bredendiek. Des weiteren denke ich beispielsweise an Dr. Werner Wünschmann, Prof. Gerhard Fischer, Prof. Hans-Dieter Döpmann, Prof. Heinrich Fink, Prof. Herbert Trebs und vor allem an Carl Ordnung, der dankenswerterweise für den Bredendiek-Band ein instruktives Nachwort geschrieben hat. Sie werden auch das in Augenschein nehmen können.
Ich persönlich lernte Walter Bredendiek während vieler gemeinsamer Bahnfahrten näher kennen; er fuhr seinerzeit nach Halle und ich nach Wittenberg, um unseren jeweiligen beruflichen Verpflichtungen nachzukommen. Zwischen uns entwickelte sich eine wertvolle Freundschaft und wir wurden ge-wissermaßen Kollegen. Daß eine Freundschaft zwischen uns entstehen konnte, hat auch die Deutsche Reichsbahn mit ihren vielen Zugverspätungen nicht verhindern können.
Der frühe Tod von Walter Bredendiek hat viele und mich sehr betroffen gemacht und als vor gut 1½ Jahren - unmittelbar nach der Beerdigung von Günter Wirth im Dezember 2009 - Hans-Otto Bredendiek an mich herantrat, einmal darüber nachzudenken, einen Band mit wichtigen Aufsätzen seines Vaters herauszugeben, habe ich sofort zugesagt und wir machten uns dann sogleich an die Arbeit. Das Ergebnis unserer editorischen Bemühungen legen wir Ihnen heute vor. Ob unsere Bemühungen von Erfolg sind, das entscheiden bitte Sie.

Der Titel des Bandes „Kirchengeschichte von ‚links’ und von ‚unten’“ ist Programm und ganz im Sinne von Walter Bredendiek. Er formulierte einmal:
Alle ernsthafte Beschäftigung mit der Vergangenheit vermittelt Lehren für Gegenwart und Zukunft … Geschichtliche Besinnung zielt immer auf Befreiung und Bindung – auf Befreiung von inhumanen, den schlimmen und verhängnisvollen Belastungen aus der Vergangenheit und auf Bindung an die vorwärtsweisenden Elemente des historischen Prozesses.“
Diese Sätze waren Maximen der wissenschaftlichen Arbeit von Walter Bredendiek. Er hat eine Vielzahl von historisch-biographischen Abhandlungen geschrieben, die vor allem jenen Persönlichkeiten galten, die der weltbekannte dänische Theologe Søren Kirkegaard einmal als die „Irregulären“ bezeichnete, also jene, die in ihrer jeweiligen Zeit als Außenseiter der Kirche galten. Es ist das große und bleibende Verdienst von Walter Bredendiek, daß er jene Außenseiter ins Bewußtsein gehoben und deutlich gemacht hat, daß auch sie zur „Wolke der Zeugen“ gehören, von der der biblische Hebräer-Brief zu berichten weiß. Diese „Irregulären“ haben die Stimme des Evangeliums oft deutlicher zum Ausdruck und zur Geltung gebracht, als vielfach die offizielle Kirche.

Bleibend sind ebenfalls die Forschungsergebnisse von Walter Bredendiek zum Beispiel über Bertha von Suttner, die nicht nur durch ihr Buch „Die Waffen nieder“ weltberühmt wurde, sondern im Jahre 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt.

Walter Bredendiek schrieb einmal - Zitat -:
„Wer sich mit Leben, Wollen und Werk dieser ‚Irregulären’ beschäftigt, wird nicht nur immer wieder von ihrer Klarsicht nachhaltig beeindruckt, sondern auch tief bewegt von ihrer Charakterstärke, ihrem Mut und ihrer Konsequenz. Auf viele von ihnen lassen sich die Sätze beziehen, mit denen Emil Fuchs wenige Tage vor seinem Tode die Summe seines eigenen Lebens zog und die zugleich das beste Leitwort für eine Darstellung der neueren Kirchengeschichte von links und von unten wären:
‚Es müssen immer einzelne Christen wagen, aus den eingefahrenen Bahnen eines bloßen Gewohnheitschristentums auszubrechen und auf neuen Wegen voranzugehen, auch wenn sie nicht gleich von allen verstanden werden, sondern Verkennung und Diffamierung auf sich nehmen müssen. Entscheidend für die christliche Existenz kann niemals eine kirchliche Durchschnittsmeinung sein, sondern der Gehorsam gegenüber dem Ruf Jesu Christi. Wer diesen Ruf vernommen hat, der muß ihn weitergeben.’“ Zitatende.

Dem im einzelnen nachzugehen, darin sah Walter Bredendiek seine Lebensaufgabe. Er hat dazu vielfältige kirchengeschichtliche Forschungsergebnisse vorgelegt, die auch zur Weiterarbeit anregen wollen und sollen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Sie alle halten hoffentlich einen Zettel in der Hand, auf dem zwei Lieder stehen. Beide Lieder gehörten zu den Lieblingsliedern von Walter Bredendiek. Unter der Begleitung von Herrn Kantor Wolfgang Tretzsch wollen wir nun das erste Lied gemeinsam singen: „Von guten Mächten treu und still umgeben ...“ Nach unserem gemeinsamen Gesang wird dann Herr Hans-Otto Bredendiek das Wort nehmen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.